Mittwoch, 5. März 2003

Jörg Haider will die Kärntner FPÖ loslösen

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Warum er den „Freistaat“ Kärnten ausrufen will, eine eigene freiheitliche Bewegung gründen und sich an Kanzler Schüssel rächen wird.

Der Sheriff reitet wieder. Wochenlang hatte sich Jörg Haider in selbst gewählter Askese geübt, sich nur hie und da – für seine Verhältnisse dezent und zurückhaltend – zu Wort gemeldet, die Schlagzeilen den anderen überlassen. Jetzt, ausgerechnet zu Beginn der Fastenzeit, hat er sich entschlossen, die Enthaltsamkeit aufzugeben. Diese Woche will Jörg Haider wieder die Themen vorgeben.

Der Sheriff reitet wieder – wenn auch vorerst nur in Kärnten. Im NEWS-Gespräch am Dienstag präzisiert er seine neuen Vorstellungen: Kärnten als Freistaat – eine „sehr gute Idee“. Sein Bundesland als Trutzburg „gegen den allgemeinen Globalisierungstaumel“. Seine künftige Rolle: „Die eines Sheriffs, der nur einschreitet, wenn’s heiß wird“ und die „Bösen einsperrt, wenn sie den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche ziehen“ sollten. Freilich auch als Sheriff ausschließlich „verantwortlich seinen Kärntner Bürgern“ und nicht „für die Regierung, die ich nicht ausverhandelt habe“.

Aschermittwoch
Derselbe Haider dann auch am nächsten Tag, bei seiner schon traditionell-berüchtigten Aschermittwochsrede, diesmal im Kärntner Althofen. (Aus seiner früheren Wirkungsstätte, dem oberösterreichischen Ried im Innkreis, hatte man ihn aus Imagegründen ausgeladen.) Auch hier deutliche „Los von Wien“-Töne, Autonomiepläne nach Vorbild der bayerischen CSU. Getreu dem Motto seiner neuen Rolle plante er, in seiner Rede allzu heftige Verbalinjurien gegen Andersdenkende, ausländische Politiker oder Gegner wie den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, zu vermeiden und die etwas feinere Klinge zu wählen. Seitenhiebe gegen Schüssel oder seinen aktuellen Lieblingsfeind, Ex-Protegé Karl-Heinz Grasser, wird er sich freilich auch weiterhin nicht verkneifen (siehe Interview). Verbunden mit handfester Kritik an den bisher bekannt gewordenen Belastungsplänen der Regierung Schüssel II („Bloß eine Geldbeschaffungsaktion eines phantasielosen Finanzministers“).

Provokation mit Saddam. Anfang nächster Woche – so der Plan – soll dann die Schlagzahl empfindlich erhöht werden. Sollte der Krieg gegen den Irak noch nicht begonnen haben, will Haider seine dritte Bagdad-Reise antreten. Die – von Haider so genannte – „Friedensmission“ hat ganz eindeutig den Zweck, sich auch international wieder zurück in die Schlagzeilen zu melden.

Vor Wahl-Debakel
Und damit von einem Ereignis abzulenken, das ihm in dieser Woche – treffen die Prognosen aller seriösen politischen Beobachter ein – Ungemach bereiten wird: den sonntäglichen Gemeinderatswahlen in Kärnten, in denen sich die Talfahrt der FPÖ fortsetzen und der gebeutelten Partei ausgerechnet in ihrem Kernland eine schwere Niederlage bescheren dürfte.

Angenehmer Nebeneffekt der eventuellen Irak-Reise: Jörg Haider würde die von ihm so ungeliebte neue Regierung erstmals seit der Angelobung unter Stress setzen und sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wieder nachhaltig in Erinnerung rufen. Das Szenario dieser Woche dürfte symptomatisch sein für die Haider-Strategie der nächsten
Monate: Nadelstiche, den Gegner immer unter Druck halten, aber nie den finalen Schritt setzen. Denn das Sprengen der Wiener Koalition kurz nach ihrer Angelobung hat selbst er nicht im Sinn. Die Folgen wären verheerend: Haider, der die Schuld an einem Scheitern nicht abstreiten könnte, müsste die zerrissene und hoffnungslos verschuldete FPÖ selbst in die Wahl führen und wohl sein schwerstes Waterloo erleben.

Back to the roots
Kein Wunder also, dass der Altparteichef lediglich die Weichen für einen „neuen“, freilich altbekannten Weg stellt. So will das 53-jährige ewige Enfant terrible der heimischen Politik wieder zu den Wurzeln der FPÖ zurückkehren und mit „Heimatbewusstsein“ und Antiamerikanismus punkten. Jede Menge Modernisierungsverlierer sollen mit altbekannter Oppositionspolitik zurückgewonnen werden.

Autorin: Isabelle Daniel

Die ausführliche Story lesen Sie im neuen NEWS.

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    5.3.2003 12:36