Freitag, 7. März 2003

Post muss mehr Personal abbauen - sagt ÖIAG

  • Abbauquote von 3 auf 5 Prozent angehoben
  • Spartentrennung führte zu fast 30 Prozent höheren Kosten

Die Österreichische Post AG muss mehr Personal abbauen als bisher geplant. Die Staatsholding ÖIAG hat ihre Vorgaben in ihrer Aufsichtsratssitzung erhöht. Statt bisher 3 Prozent soll die Personalabbauquote künftig 5 Prozent betragen, sagte Post-Kommunikationschefin Susanna Wieseneder.

2002 hat die Post 1.153 Mitarbeiter abgebaut. Heuer soll am geplanten Abbau von 1.455 Mitarbeitern festgehalten werden. Wie viele Mitarbeiter nach den neuen Vorgaben im kommenden Jahr gehen müssen, steht noch nicht fest. Es werde erst überprüft, mit welchen Programmen und durch welche Prozessänderungen weiteres Personal eingespart werden könne. Sicher sei aber, dass der Personalabbau mit 2004 nicht abgeschlossen sein werde, so Wieseneder.

Umsätze schwer eingebrochen
Im vergangenen Jahr hat die Post, wie berichtet, einen Ergebniseinbruch hinnehmen müssen. Das Betriebsergebnis (EBIT) hat sich um 52 Prozent von 23 auf 11 Mio. Euro mehr als halbiert. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) rutschte von 45 auf 19 Mio. Euro ab. Der Umsatz fiel um knapp 21 Mio. Euro von 1,504 auf 1,484 Mrd. Euro zurück. Die Post blieb damit deutlich hinter ihren eigenen Erwartungen, war sie doch sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn von einem Anstieg ausgegangen.

Wieseneder begründete den Rückgang unter anderem mit einem unerwarteter Weise nicht realisierten Immobilienverkauf. Zudem habe die Post im Vorjahr den Wegfall aller Staatssubventionen für gemeinwirtschaftliche Leistungen (vor allem für die Zeitungszustellung) verkraften müssen - in Summe 70 Mio. Euro. "Wir sind zum ersten Mal abgenabelt von allen Subventionen und haben trotzdem Gewinne geschrieben", betonte die Sprecherin. Zudem hätten sich auch Lohnerhöhungen, Biennalsprünge und Kosten für Leasingkräfte deutlich zu Buche geschlagen.

Dass die Mitte 2002 erfolgte Spartentrennung die Kosten um 30 Prozent erhöht hätte, wie aus Unternehmenskreisen behauptet, wies Wiesender hingegen zurück: Die Kostenerhöhung, deren Ausmaß sie noch nicht beziffern wollte, sei vielmehr auf Sonderbelastungen im Zuge der Postämterschließungen und der Neuordnung der Logistik (Stichwort neue Verteilzentren) zurückzuführen gewesen.

Dennoch lotet die Post derzeit das Synergiepotenzial zwischen den neu gegründeten Sparten Brief, Infomail (Werbesendungen), Kurier-Express-Paketdienst, Zeitungszustellung (Medienservice) und Filialnetz (Postämter) aus. Überlegt wird etwa Vertrieb und Marketing für Brief, Infomail und Medienpost wieder zusammenzulegen. Die Überprüfung sei aber noch im Laufen, sagte Wieseneder. Sparen will die Post heuer aber vor allem in der Distribution. Dort sollen heuer rund 1.000 Mitarbeiter abgebaut werden.


"Machen sie weiter so"
Die erwarteten Spannungen im ÖIAG-Aufsichtsrat auf Grund der Ergebnisse 2002 sollen ausgeblieben sein. Der Eigentümer soll die Arbeit des Post-Vorstandes in seiner Aufsichtsratssitzung gewürdigt haben. "Machen sie weiter so", soll ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel die Präsentation des Post-Vorstands quittiert haben, heißt es aus der Post. Auch die ÖIAG zeigte demonstrative Einigkeit mit dem Post-Vorstand. ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis und Post-Chef Anton Wais hätten ein "ausnehmend gutes Gesprächsklima". Der Post-Vorstand müsse nicht um seine Posten zittern, so die Staatsholding.

Noch kein Thema war im ÖIAG-Aufsichtsrat die mögliche Privatisierung der Post. Die neue Bundesregierung hat in ihrem Regierungsprogramm die Suche nach einem Partner als ersten Privatisierungsschritt für die Österreichische Post festgelegt. Als Favorit für einen Einstieg gilt die Deutsche Post.

7.3.2003 13:38