EZB senkt Leitzinsen um 25 Punkte auf 2,50 Prozent
- Märkte hatten Zinsschritt bereits erwartet
Die Europäische Zentralbank (EBZ) in Frankfurt senkt ihre Leitzinsen um 25 Prozentpunkte auf nunmehr 2,50 Prozent. Dies teilte die EZB am Donnerstag nach der Sitzung des Rates in Frankfurt mit. Der wichtigste Zinssatz zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld in der Eurozone war zuletzt im Dezember 2002 um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent gesenkt worden.
Angesichts der schwächelnden Konjunkturlage und eines immer wahrscheinlicher werdenden Irak-Kriegs hatten Analysten und Finanzmärkte mit einer Leitzins-Senkung durch die EZB gerechnet. Auch EZB-Chef Wim Duisenberg hatte zuletzt klare Signale in diese Richtung gegeben.
Die schwache Wirtschaft und der Euro-Anstieg dämpfen nach Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg die Inflationsgefahr in der Euro-Zone. "Der Ausblick für die Preisstabilität hat sich in den vergangenen Monaten über die mittlere Frist verbessert, insbesondere wegen des verhaltenen Wachstums und der jüngsten Wechselkursentwicklung", sagte Duisenberg in Frankfurt bei der EZB-Pressekonferenz.
Wachstum wird niedriger ausfallen
Die Konjunktur in der Euro-Zone sei zu Jahresbeginn vor allem wegen des Irak-Konflikts und des Ölpreisanstiegs schwach geblieben. Das Wachstum werde nun niedriger ausfallen als zuvor angenommen, sagte Duisenberg.
Die EZB hat wie an den Finanzmärkten weithin erwartet die Leitzinsen gesenkt und damit auf verschlechterte Wachstumsaussichten für die Euro-Zone reagiert. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins wurde um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent reduziert und ist damit so niedrig wie kurz nach dem Start der Euro-Zone im Frühjahr 1999.
An den Finanzmärkten war die Lockerung erwartet, allerdings ein stärkerer Zinsschritt um 50 Basispunkte erhofft worden. Duisenberg hatte kürzlich ein klares Signal für eine Zinssenkung gegeben. Vor knapp zwei Wochen hatte der EZB-Chef erklärt, dass die EZB für 2003 mittlerweile mit einem schwächerem Wachstum rechnet als bisher und dies mit nachlassendem Inflationsdruck einhergehen sollte. Er hatte zugleich angekündigt, dass die Notenbank bei Bedarf nicht zögern werde zu handeln.
Möglicher Krieg hemmt Konjunkturerholung
Seit Monaten schon belastet die große Verunsicherung über einen drohenden Irak-Krieg Finanzmärkte und Realwirtschaft und verzögert die Konjunkturerholung in der Euro-Zone. Der erneute Anstieg des Euro, der erstmals seit rund vier Jahren zeitweise die Marke von 1,10 Dollar überwand, hatte zudem Befürchtungen verstärkt, die Exporte könnten einbrechen.
Nach jüngsten Prognosen der EU-Kommission könnte die Wirtschaft der Euro-Zone im ersten Quartal schrumpfen und sollte im zweiten Quartal aber mindestens um 0,2 Prozent zulegen. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft mit 0,8 Prozent so wenig wie seit der Rezession 1993 nicht mehr.
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