Semperit-Aktie ohne Übernahmefantasie im Stillstand
- Analysten: Kurspotenzial wäre bei 13 Euro begrenzt
- Umsatzplus von fast 10 Prozent für 2002 erwartet

Die im Markt kursierenden Spekulationen rund um einen Eigentümerwechsel der börsenotierten Semperit AG Holding seien die Treiber des Aktienkurses des Herstellers von Gummierzeugnissen. Sollte es daher nicht zu einer Übernahme im laufenden Jahr kommen, habe der Aktienkurs (zuletzt 13,30 Euro) in den kommenden zwölf Monaten kaum mehr Potenzial, sind heimische Analysten überzeugt.
Interessant werde es jedoch erst nach dem Auslaufen der Wandelanleihe der Wiener Städtischen, die etwas weniger als 25 Prozent an Semperit hält, im Herbst 2003. Werde der Semperit-Aktienkurs nämlich unter 19,80 Euro bleiben, wovon Erste Bank-Analyst Amir-Ali Ameri ausgeht, käme die Wiener Städtische wieder "in den Genuss ihres Pakets". Da aber nur von anderen übernommen werden könne, was auf dem Markt sei, hängt der Aktienkurs der Semperit AG Holding stark von der Bereitschaft der großen Aktionäre, B & C Holding und Wiener Städtische, ihre Anteile zu verkaufen, ab.
Wie berichtet ist KTM-Vorstand Stefan Pierer im vergangenen Herbst über seine Cross Capital Investment bei Semperit eingestiegen. Er dürfte nun annähernd 10 Prozent halten. "Wenn ein Investor mit solch einem Übernahme-Hintergrund kommt, ist das natürlich extrem kurstreibend", sagte Ameri.
Kein großer Freund von Übernahmefantasien scheint die Analystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), Klara Szekffy, zu sein. Viele spekulierten darauf, dass die B & C Holding, die zu der von der Bank Austria Creditanstalt gegründeten B & C Stiftung gehört, ihre Semperit-Sperrminorität verkauft. "Ich bezweifle das", so Szekffy im Gespräch. Auch eine Zerschlagung des Unternehmens hält die Analystin für unwahrscheinlich.
Kurs leidet, wenn nicht verkauft wird
Sie schließt sich aber der Meinung Ameris an, der Kurs werde leiden, sollte sich die Wiener Städtische nicht zu einem Verkauf entscheiden. Daher lautet ihr Anlagevotum "neutral". Das Kursziel gibt sie mit 12,80 bis 13 Euro an, "alles was darüber liegt, ist Übernahmefantasie". Die Deutsche Bank errechnete einen fairen Wert pro Semperit-Anteil von 12,50 Euro und nennt als Aktienbewertung "hold".
Im Vorfeld der am Freitag anstehenden Veröffentlichung der Semperit-Unternehmensergebnisse für das Geschäftsjahr 2002 rechnen die Analysten im Schnitt mit einer Umsatzsteigerung von 9,7 Prozent auf 448,9 Mio. Euro. Der Vorsteuergewinn (EGT) werde voraussichtlich mit 41 Mio. Euro um 7 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Damit dürfte Semperit das zwölfte Rekordjahr in Folge abgeschlossen haben. Ameri und Szekffy rechnen beide mit einer Anhebung der Dividende von 0,36 auf 0,38 Euro je Aktie.
2003 wird ein weiteres Rekordjahr
Einem weiteren Rekordjahr stünde auch im laufenden Geschäftsjahr 2003 nichts im Wege. Szekffy erwartet im zweiten Halbjahr "sowohl organisches Wachstum als auch ein gewisses Wachstum aus vergangenen Akquisitionen vor allem im Sempermed-Bereich (spezielle Gummi-Handschuhe, Anm.)". Ameri dagegen sieht das Wachstumspotenzial begrenzt. "Semperit ist in vielen Märkten bereits Marktführer. Ich sehe daher kaum mehr Chancen in diesen Märkten", konstatierte Ameri. Das Unternehmen habe aber bewiesen, dass es "Unternehmen akquirieren und ihnen ihr erfolgreiches Konzept überstülpen" könne.
Im vergangenen Jahr hätten der schwache Dollarkurs, die "eklatant gestiegenen Rohstoffpreise" und die prekäre Situation in der Bauwirtschaft Deutschlands, einem wichtigen Absatzmarkt Semperits, die Ergebnisse negativ beeinträchtigt, so die Analysten. Semperit habe aber ein "gutes Risk Management an den Tag gelegt" sowie die Kosten kontinuierlich reduziert, erläuterte Ameri. Er glaubt deshalb an eine moderate Ergebnissteigerung 2003, trotz des von ihm erwarteten "leichten Bruchs in der Profitabiltität".
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