Wifo: Irak-Krieg würde Euro-Wirtschaft stärker treffen
- Höherer Ölpreis könnte BIP drücken
- EZB-Zinssenkung für diese Woche erwartet
Ein Irak-Krieg würde Europas Wirtschaft viel stärker in Mitleidenschaft ziehen als die Wirtschaft der USA, nimmt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) an. Gedämpft werden könnte die Wirtschaft durch Konsumzurückhaltung Privater, aufgeschobene Investitionen von Unternehmen und weitere Kursrückgänge an den Börsen, wobei Europa hier aus Sicht des Wifo-Experten Markus Marterbauer jeweils negativ betroffen wäre.
Ein höherer Ölpreis könnte durch Dämpfung des Konsums das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um einen Viertel Prozentpunkt dämpfen, sagte Marterbauer am Montag im "Morgenjournal". Für diese Woche erwartet der Experte eine EZB-Zinssenkung um mindestens einen halben Prozentpunkt. Bei einem Irak-Krieg könnte sich das Zinsniveau binnen kurzem halbieren.
Das Wifo hat laut Marterbauer errechnet, dass der Rohölpreis dieses Jahr "vorsichtig geschätzt" um ein Viertel über dem Vorjahresniveau liegen könnte. Das würde die Verbraucherpreise etwa um einen halben Prozentsatz nach oben treiben und damit den privaten Konsum dämpfen. Da die Haushalte dann weniger real verfügbares Einkommen hätten, könnte dies das BIP in der Gegend von 1/4 Prozentpunkt dämpfen, so der Konjunkturexperte.
"Europa wird der große Leidtragende dieser geopolitischen Entwicklung und des möglichen Irak-Kriegs sein", befürchtet der Wifo-Experte. Anders als Europa hätten die USA durch einen Irak-Krieg interessanterweise auch positive Effekte zu erwarten - etwa durch die starke Steigerung der Militärausgaben, die im heurigen Jahr in die Gegend von 100 bis 200 Mrd. Dollar gehen könnte. Dies wirke natürlich expansiv auf die Nachfrage. Europa hingegen habe sich den strengen Sparzielen des Stabilitätspaktes verschrieben.
Die wichtigste Aufgabe für die österreichische Wirtschaftspolitik wäre nach den Worten Marterbauers "zu versuchen, auf europäischer Ebene auf eine aktivere Wirtschaftspolitik zur Konjunkturstimulierung zu drängen". Dies betreffe insbesondere die Handlungen der Europäischen Zentralbank (EZB): "Ich glaube, dass es sehr rasch zu Zinssenkungen größeren Ausmaßes kommen sollte."
Für diese Woche erwartet der Wifo-Experte eine EZB-Zinssenkung "von mindestens einem halben Prozentpunkt". Sollte es wirklich zu einem Irak-Krieg kommen, könnte sich das Euro-Zinsniveau in den nächsten Wochen von derzeit 2,75 Prozent "durchaus halbieren", meinte Marterbauer.
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