Sonntag, 9. März 2003

Sanders Linke fällte Wladimir Klitschko im WM-Fight

  • Universums USA-Pläne in Frage gestellt, auch Rematch offen

207 Sekunden haben genügt, um Wladimir Klitschko aus dem siebten Boxer-Himmel äußerst unsanft auf den Ring-Boden zurückzuholen. Corrie Sanders aus Südafrika hat dem in Hamburg lebenden 26-jährigen Ukrainer am Samstagabend in Hannover mit einem technischen K.o.-Sieg in der 2. Runde sensationell den Titel der World Boxing Organization (WBO) im Schwergewicht abgenommen und damit die Hoffnungen der Hamburger Universum-Promotion von einem Durchbruch in der äußerst profitträchtigen amerikanischen Box-Szene vorerst zunichte gemacht.

"So eine Niederlage bringt keinen nach vorn. Aber damit muss man immer rechnen. Das ist Boxen", gestand Promoter Klaus-Peter Kohl nach dem spektakulären Duell um Fassung ringend ein. Zuvor hatten Kohl wie die 11.500 Zuschauer in der ausverkauften Preussag-Arena und durchschnittlich 9,17 Millionen an den Bildschirmen entsetzt mit ansehen müssen, wie der erklärte Liebling aller deutschen Box-Anhänger von dem als K.o.-König angekündigten südafrikanischen Polizisten vorgeführt wurde. Schon nach knapp zwei Minuten krachte eine harte Linke des Rechtsauslegers an das Kinn des Modellathleten, von der er sich nicht mehr erholte.

Im Gegenteil: Der hoch gelobte Ukrainer musste sich bei Ringrichter Genaro Rodriguez (USA) bedanken, dass er überhaupt noch das Ende der Auftaktrunde erreichte. "Ich wollte mich sofort revanchieren und bin reingesprungen. Das war mein entscheidender Fehler", konstatierte Klitschko tief enttäuscht. Selbst die einminütige Pause reichte dem Zwei-Meter-Recken nicht, um wieder auf die Beine zu kommen. Nur 27 Sekunden nach dem Gong zur 2. Runde war die zweite Niederlage in seinem 42. Profi-Kampf perfekt.

Trotz oder gerade wegen der schmerzlichen Erfahrung glaubt die Szene an ein Comeback des promovierten Boxers. "Wladimir kann durchaus zurückkehren, größer als jemals zuvor. Joe Louis, George Foreman und andere haben das auch bewiesen. Er soll jetzt erst einmal eine Auszeit nehmen", riet Box-Legende Foreman, der als Co- Kommentator für den US-Sender HBO am Ring saß. Trainer Fritz Sdunek: "Lewis hat sogar zwei Mal verloren und ist wiedergekommen. Das wird Wladimir auch schaffen. Er hat den Charakter dazu", meinte er.

Wenn es nach den Klitschkos geht, bald. "Ich werde zeigen, wo es lang geht. Ich brauche keine Aufbaukämpfe und würde am liebsten sofort wieder gegen Sanders boxen. Dann habe ich die Sache hinter mir", bekräftigte Wladimir ungebrochenen Kampfesmut. Den hatte Bruder Vitali zuvor schon im Ring demonstriert und dafür böse Blicke und verbale Tiefschläge vom 37-jährigen Sanders einstecken müssen. Der Südafrikaner und sein Management sind nun klar in der Vorhand. "Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und beraten, wann, wie und ob wir ein Rematch machen können", kündigte Kohl an. Ob der letzte Vertrag eine Option für einen Rückkampf beinhaltete, ließ er offen.

9.3.2003 11:58