Samstag, 8. März 2003

DSV fordert Finnland-Boykott im Langlauf-Zirkus

  • Skari und Veerpalu siegten am Holmenkollen

Die großen Langlauf-Nationen mit Deutschland an der Spitze fordern nach dem jüngsten finnischen Dopingfall ab der kommenden Saison ein Startboykott für alle Weltcup-Wettbewerbe in Finnland. "Wenn es einem Verband nicht gelingt, seine eigenen Sportler in Bezug auf die Doping-Problematik in den Griff zu bekommen, dann sollte er keine Wettkämpfe mehr ausrichten dürfen. Wir möchten in Zukunft nicht mehr in Finnland starten", erklärte der deutsche Bundestrainer Jochen Behle nach einer kurzfristig angesetzten Trainer-Tagung am Holmenkollen, wo sich am Samstag Bente Skari (NOR) über 30 km und Andrus Veerpalu (EST) über 50 km jeweils im klassischen Stil die Siege holten.

Auslöser der Debatte, in der sich Behle mit den Verantwortlichen aus Norwegen und Schweden einig ist, war der am Freitag vom finnischen Verband öffentlich gemachte positive Fall eines namentlich nicht genannten Athleten bei der WM in Val di Fiemme. Dabei handelt es sich offenbar um Kaisa Varis, die vor dem ersten WM-Rennen wegen eines erhöhten Blutwertes mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden war und am Samstag über 30 km fehlte. Auch finnische Medien hatten bereits offen den Namen Varis genannt. Der Weltverband FIS wollte dies nicht bestätigen, die B-Probe wird am 17. März erwartet.

"Wir sind alle enttäuscht. Das grenzt schon an Dummheit", sagte Behle. Einen Startverzicht beim Weltcup in der kommenden Woche in Lahti erwägt der DSV aber nicht. "Wir gehen auf jeden Fall nach Lahti. Danach sollen die Finnen im eigenen Saft schmoren", erklärte der Deutsche.

Walter Mayer, ÖSV-Direktor für Langlauf und Biathlon, ist gegen ein Pauschalurteil. "In Lahti hat das ganze einen systematischen Eindruck gemacht, aber was kann ein Landesverband dafür, was ein Einzelner tut?", sagte der Salzburger. "Behle soll aufpassen, dass es nicht einen in seinem Team erwischt. Was machen wir dann, fahren wir dann alle nicht zu deutschen Bewerben?", meinte Mayer gegenüber der APA.

Die Doping-Diskussion drängte das sportliche Geschehen ein wenig in den Hintergrund. Bei dichtem Nebel und schwerer Spur unterstrich Doppel-Weltmeisterin Skari erneut ihre Ausnahmestellung und feierte den 39. Weltcupsieg in ihrer Karriere. Im 50-er der Herren siegte der Este Andrus Veerpalu nach 2:16:57,5 Stunden vor dem Norweger Anders Aukland (+34,8 Sek.).

Dessen Landsmann Thomas Alsgaard, der zum letzten Mal bei einem Weltcup in Oslo am Start war, landete auf Rang zehn - eine halbe Minute vor dem elftplatzierten Michail Botwinow. "Das ist keineswegs schwach und entspricht seinem diesjährigen Niveau, für das Top-Level reicht es leider nicht", meinte Mayer dazu.

8.3.2003 16:06