Montag, 3. März 2003

Welt-Anti-Doping-Code einstimmig verabschiedet

  • Übereinkunft von Kopenhagen für Rogge noch nicht das Endziel

Die internationalen Sportorganisationen und die Regierungen haben mit der Einigung auf einen Welt-Anti-Doping-Code dem Kampf gegen die Sport-Geißel eine neue Dimension gegeben. Trotz Bedenken einzelner Verbände wurde der Kodex einstimmig akzeptiert. "Es ist ein außergewöhnlicher Erfolg, das Resultat spricht für sich", sagte Richard Pound, Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nach Abschluss der 2. Welt-Anti-Doping-Konferenz am Mittwoch in Kopenhagen. Erstmals stünden nun der Sport und die Regierungen im Doping-Kampf Seite an Seite.

Die Vertreter der Regierungen unterzeichneten die "Erklärung von Kopenhagen", mit der die Länder "politisch und moralisch" den Anti-Doping-Code unterstützen. Insgesamt haben 73 Regierungen, unter ihnen auch Österreich, das Dokument unterschrieben oder die Bereitschaft dazu bekundet. Die Resolution soll die Vorstufe zu einer Konvention werden. Eine gute Basis dafür bietet die Anti-Doping-Konvention des Europarates aus dem Jahre 1989. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) strebt mit Dringlichkeit eine Ratifizierung vor den Winterspielen 2006 in Turin an.

Für IOC-Präsident Jacques Rogge war die Übereinkunft von Kopenhagen ein großer Fortschritt, aber noch nicht der Endpunkt: "Vor der ersten Konferenz 1999 in Lausanne hatten wir das Mittelalter, jetzt befinden wir uns in der Renaissance und hoffen, dass wir irgendwann in modernen Zeiten ankommen." Die weltweite Verständigung auf den Code sei nur der erste Schritt. "Ich bin ein realistischer Mann. Die Zukunft wird zeigen, ob es ein wunderbarer Tag und Wendepunkt im Doping-Kampf war", sagte er.

Die internationalen Sportverbände sollen den Kodex schon bis zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen in ihre Regelwerke übernommen haben. "Dies ist kein Problem", meinte Rogge. Die Verweigerung der Akzeptanz werde das IOC mit Ausschluss von den Spielen ahnden. Städte in Ländern, deren Regierungen den Code nicht annehmen wollen, würden bei der Bewerbung um Olympische Spiele nicht berücksichtigt.

Der dänische Innenminister Brian Mikkelsen hatte in zähen Verhandlungen hinter den Kulissen an dem Erfolg auf Seiten der Regierungen mitgewirkt. "Die Resolution ist nur ein Stück Papier, aber die Worte sind Gold", lobte Mikkelsen, der weitere Regierungen zur Zeichnung der Erklärung bewegen will: "In einer kleinen Weile hoffe ich 200 Unterschriften beisammen zu haben."

Zugeständnisse mussten aber auch eine Reihe von Sportverbänden machen. Umstritten war die in dem Code festgeschriebene Zwei-Jahres-Regelsperre bei Doping-Erstvergehen, gegen die vor allem Radsportler und Fußballer opponierten. Auch die Kriterien für die Aufnahme von Doping-Mitteln in die WADA-Verbotsliste wurde hart diskutiert. Offen ist auch noch die Frage, wie die Profi-Ligen wie die der Basketballer (NBA) und im Eishockey (NHL) in den USA stärker eingebunden werden können.

3.3.2003 15:55