Freitag, 7. März 2003

6 Tote, 6 Verletzte bei Anschlag auf jüdische Siedlung

  • Angreifer waren als ultraorthodoxe Juden verkleidet

Bei dem zweiten Terroranschlag auf Israelis in der vergangenen Woche haben palästinensische Extremisten im Westjordanland zwei jüdische Siedler getötet. Sechs weitere wurden bei dem Angriff auf die jüdische Siedlung Kiriat Arba verletzt. Die beiden als ultraorthodoxe Religionsschüler verkleideten Angreifer wurden bei einer Schießerei mit israelischen Soldaten getötet. Zwei andere Palästinenser, die einen ähnlichen Anschlag vorhatten, wurden schon vor Ausführung getötet.

Das Blutvergießen im Nahen Osten nimmt kein Ende. Nach dem Selbstmordanschlag vom Mittwoch in Haifa überfielen palästinensische Extremisten am Freitagabend die jüdische Siedlung Kiriat Arba bei Hebron im Westjordanland. Zunächst bekannte sich keine der radikalen Palästinensergruppen zu der Tat.

Zwei Männer wurden nach Angaben des israelischen Fernsehens erschossen, als sie in die Siedlung Nahal Negohot südöstlich von Hebron eindringen wollten. Der Überfall habe nur kurz nach dem Angriff auf die Siedlung Kiriat Arba stattgefunden.

Der israelische Regierungssprecher, Avi Pasner, kündigte "härteste Maßnahmen" gegen radikale Palästinenserorganisationen und gegen "diese Heimsuchung" an. Israel habe in den vergangenen Tagen festgestellt, dass die Palästinenserbewegungen "ihre Aktivitäten zu intensivieren" versucht hätten, sagte Pasner.

Am Nachmittag waren im Gazastreifen vier Palästinenser von Soldaten erschossen worden. Drei mutmaßliche Extremisten hatten nahe der jüdischen Siedlung Nezarim bei Gaza aus einem Hinterhalt auf einen israelischen Konvoi gefeuert. Sie wurden nach bei einem kurzen Gefecht getötet. Nahe dem großen Flüchtlingslager Jabalia im Nordostaen des Gazastreifens töteten Soldaten einen 16-Jährigen, der Soldaten nach palästinensischen Angaben mit Steinen beworfen hatte.

Insgesamt hat die eskalierende Gewalt damit allein seit Mittwoch rund 40 Israelis und Palästinenser das Leben gekostet. Am Mittwoch tötete ein Palästinenser 15 überwiegend jugendliche Israelis, als er sich in einem Bus in Haifa in die Luft sprengte. Stunden später wurden im Flüchtlingslager Jabalia im Gazastreifen bei einer israelischen Armeeoperation 12 Palästinenser getötet, zwei weitere starben bei Zusammenstößen mit Soldaten im Westjordanland.

In der Nacht zum Donnerstag besetzte die israelische Armee ein Gebiet außerhalb des Lagers "auf unbefristete Zeit" wieder. Von dem auf einem Hügel gelegenen Stück Land nahe Jabalia hatten Extremisten in den vergangenen Wochen immer wieder Raketen auf die israelische Wüstenstadt Sderot gefeuert hatten.

Ungeachtet der Explosion der Gewalt gingen die Bemühungen um eine Rückkehr zum Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern in eine neue Runde. Palästinenserpräsident Yasser Arafat benannte am Donnerstagabend seinen Stellvertreter als Führer der PLO, Mahmud Abbas, zum Kandidaten für das neue Amt des Ministerpräsidenten der Autonomiebehörde.

Abbas fordert vor der Übernahme des Amtes jedoch weit reichende Machtbefugnisse. Abbas (68) will den neu geschaffenen Posten nur akzeptieren, wenn er unter anderem seine eigenen Minister ernennen und mögliche Friedensverhandlungen mit Israel führen darf.

7.3.2003 21:29