Freitag, 7. März 2003

Mehrere hundert Frauen im Iran fordern mehr Rechte

  • Proteste gegen Gewalt gegen Frauen in Paris
  • Frauentage seit 1908, seit 1911 in Österreich

Mehrere hundert iranische Frauen haben am Samstag, dem Welt-Frauentag, in Teheran für mehr soziale und politische Rechte demonstriert. Tausende demonstrierten auch in Paris gegen Gewalt gegen Frauen. Daneben wurde darauf hingewiesen, dass in Russland alle 40 Minuten eine Frau von ihrem Partner getötet würde. Gewalt gegen Frauen fordere dort mehr Opfer als der Tschetschenien-Krieg.

Im Iran versammelten sich hunderte Frauen aus Anlass des Internationalen Frauentags in einem Park der Hauptstadt und forderten, dass sich Frauen ihre Ehemänner selbst aussuchen und eine Scheidung verlangen dürfen. Die Demonstration wurde vom regierungsunabhängigen Frauen-Kulturzentrum organisiert.

Die Aktivistin Sohreh Arsani kritisierte, dass der Iran noch immer nicht die Konvention gegen die Diskriminierung von Frauen unterzeichnet hat. Das von Reformern dominierte Parlament habe über die Konvention noch nicht ein Mal debattiert, kritisierte sie. Die iranischen Geistlichen hatten die Konvention als "nicht islamisch" abgelehnt.

Trotz der Einschränkungen genießen Frauen im Iran seit der Wahl des gemäßigten Präsidenten Mohammad Khatami 1997 größere Freiheiten als in anderen islamischen Golfstaaten. Sie dürfen wählen und haben öffentliche Ämter inne. Nach der im Iran geltenden strengen Auslegung des Islam dürfen Frauen jedoch nicht ohne Erlaubnis ihrer Ehemänner ins Ausland reisen. Die Zeugenaussage eines Mannes gilt doppelt so viel wie die einer Frau.

Proteste gegen Gewalt in Paris
Tausende Menschen haben am Internationalen Frauentag am Samstag in Paris gegen Gewalt und Diskriminierung protestiert. Während die Polizei die Teilnehmerzahl mit gut 10.000 angab, sprachen die Veranstalter von rund 30 000. Zu dem Demonstrationszug hatten mehr als 70 Organisationen aufgerufen, darunter Menschenrechtsgruppen, Parteien und Gewerkschaften. Unter dem Motto "Weder Dirnen noch Unterwürfige" protestierte an der Spitze des Demonstrationszuges eine Gruppe von Frauen aus den Vorort-Gettos französischer Städte, in denen Gewaltverbrechen von Jugendlichen gegen junge Mädchen wiederholt für Schlagzeilen sorgten.

Die Gruppe, die zuvor in 23 Städten in Frankreich für ihre Aktion gegen Gewalt geworben hatte, wurde zusammen mit mehr als 400 Frauen von Premierminister Jean-Pierre Raffarin empfangen. Als Hauptforderungen nannten sie eine intensivere sexuelle Aufklärung, verstärkten Unterricht in der französischen Sprache in den Vorstädten mit hohem Ausländeranteil und Notberatungsstellen im Falle von Gewalt in der Ehe.

Auslöser für die Gründung der "Getto-Gruppe" war der Fall der 17- jährigen Sohane Benziane, die im vergangenen Oktober südlich von Paris Opfer einer Bande junger Gewalttäter wurde, die in erster Linie aus einem islamischen Umfeld kam. Sie hatten das Mädchen in einem Keller mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt, weil es einen Freund hatte. Inzwischen wurden vier Jugendliche wegen Verdachts des Mordes oder der Beihilfe zum Mord festgenommen.

Frauen-Morde in Russland
In Russland wird durchschnittlich alle 40 Minuten eine Frau von ihrem Ehemann oder Partner getötet. Etwa 14.000 Russinnen sterben jedes Jahr durch Gewalt in der Ehe, wie die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) am Samstag in Moskau unter Berufung auf Daten des russischen Innenministeriums mitteilte. Damit würden jedes Jahr dreimal so viele Frauen zu Hause getötet, wie russische Soldaten seit 1999 im Tschetschenien-Krieg gefallen seien. Jeden Tag würden etwa 36.000 Russinnen von ihrem Partner verprügelt.

Frauentag seit 1908
Der Internationale Frauentag wurde aus der sozialen Not heraus geboren. Unzumutbare Arbeitsbedingungen, extrem niedrige Löhne und keine Rechte prägten noch Anfang des 20. Jahrhunderts das Leben der Frauen, wenn sie nicht höheren Gesellschaftsschichten angehörten. Am 8. März 1908 fand der erste Frauentag in den USA statt, 1911 wurde er auf Vorschlag der Frauenrechtlerin Clara Zetkin im Rahmen der Sozialistischen Frauen-Konferenz in Kopenhagen beschlossen. In diesem Jahr gab es auch den ersten Frauentag in Österreich, 1975 wurde er von der UNO als Gedenktag anerkannt.

7.3.2003 17:42