Freitag, 7. März 2003

Nordkorea testet wieder Rakete über Japans Meer

  • Abschuss war erwartet worden - Pentagon nicht besorgt
  • Bush hofft auf diplomatische Lösung

Zwei Wochen nach dem letzten Raketentest hat Nordkorea am Montag nach südkoreanischen Angaben wieder eine Rakete ins Japanische Meer gefeuert. Wie das Verteidigungsministeriums in Seoul mitteilte, handelte es sich vermutlich erneut um eine Anti-Schiff-Rakete, die getestet werden sollte. Das Geschoss sei wie geplant etwa 110 Kilometer weit geflogen und im Meer zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan niedergegangen.

Die Regierung in Tokio teilte mit, der Abschuss sei keine direkte Bedrohung Japans gewesen, da es sich nicht um eine ballistische Rakete gehandelt habe.

Nordkorea hatte bereits am 24. Februar, einen Tag vor dem Amtsantritt des neuen südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun, eine Kurzstreckenrakete vor seiner Ostküste getestet. Dabei hatte es sich nach südkoreanischen Angaben um einen Marschflugkörper gehandelt, der gegen Schiffe eingesetzt werden kann.

USA nicht besorgt
Der jüngste Raketentest wurde von Südkorea und den USA erwartet. Nordkorea hatte danach seit Tagen die Bewegung von Schiffen vor der Ostküste kontrolliert und bestimmte Abschnitte im Japanischen Meer (Ostmeer) für den Schiffsverkehr gesperrt. Aus dem US-Verteidigungsministerium hatte es geheißen, das US-Militär sei nicht besonders besorgt. Auch auf den vorigen Test hatten die USA gelassen reagiert. Die USA haben unlängst zwei Dutzend Langstreckenbomber auf die Pazifikinsel Guam verlegt. Am 2. März hatte ein nordkoreanischer Kampfjet ein US-Spionageflugzeug über dem japanischen Meer abgefangen und aus allernächster Nähe 22 Minuten lang begleitet.

Norkorea verlangt, mit USA zu reden - die wollen nicht
Die Raketentests verstoßen zwar nicht gegen internationale Abkommen, werden allerdings von Beobachtern aber als Druckmittel Nordkoreas im Atomstreit mit den USA angesehen. Nordkorea verlangt von den USA direkte Gespräche sowie einen Nichtangriffspakt. Im Jahr 1998 hatte Nordkorea eine ballistische Rakete vom Typ Taepodong abgefeuert, die über die japanische Insel Honshu hinweg flog. Später verpflichtete sich Pjöngjang auf US-Druck zu einem Raketentest-Moratorium. Im Zuge des im vergangenen Herbst ausgebrochen Streits um das nordkoreanische Atomprogramm hatte Pjöngjang das Moratorium aber wieder aufgehoben.

Die Situation in der Region hatte sich im vergangenen Oktober dramatisch verschärft, als die USA erklärten, Pjöngjang habe die Existenz eines geheimen Atomprogramms bestätigt. Die USA und ihre Verbündeten stellten wegen dieser Verletzung des Atomabkommens von 1994 die darin zugesagten Öllieferungen ein. Nordkorea zog sich daraufhin aus dem Atomsperrvertrag zurück und ließ einen Reaktor wieder anfahren. Der Forschungsreaktor von Yongbyon war nach den Bestimmungen des Abkommens aus dem Jahr 1994 stillgelegt worden. Die USA vermuten, dass Nordkorea bereits eine oder zwei Atomwaffen besitzt.

7.3.2003 07:43