Mittwoch, 5. März 2003

Bin-Laden-Briefe bei Sheikh Mohammed sichergestellt

  • Sheikh Mohammed hatte Wochen zuvor Kontakt mit Bin Laden
  • Sheik gilt als Drahtzieher der Terror-Anschläge vom 11. 9.

Ist Terror-Chef Bin Laden doch noch am Leben? Die Entdeckung mutmaßlicher Briefe von Osama bin Laden bei dem festgenommenen Khalid Sheikh Mohammed gibt dem Mythos der Anführer des Terrornetzwerkes El Kaida sei gesund und munter neue Nahrung. Die handgeschriebenen Briefe deuteten darauf hin, dass Bin Laden am Leben sei und zumindest im vergangenen Monat in Pakistan gewesen sei. Außerdem gab die Nummer drei der El Kaida zu, Bin Laden vor wenigen Wochen kontaktiert zu haben.

Der von den USA als Hauptterrordrahtzieher gesuchte Osama bin Laden ist nach der Aussage des in Pakistan festgenommenen Khalid Sheikh Mohammed am Leben und hält sich im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet auf. Dies verlautete am Donnerstag aus pakistanischen Geheimdienstkreisen. Mohammed gilt als der dritthöchster El-Kaida-Führer und mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001. In Verhören soll Mohammed erklärt habe, er habe Bin Laden in den vergangenen Wochen getroffen. Dieser erfreue sich guter Gesundheit. Wo genau sich Bin Laden aufhalte, wisse er nicht.

Der 37-jährige Mohammed war am Wochenende bei einer gemeinsamen Operation des US-Geheimdienstes CIA und pakistanischer Agenten in Rawalpindi gefasst worden. Der gebürtige Kuwaiter gilt als enger Vertrauter Bin Ladens. Er soll inzwischen zum US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan geflogen worden sein, wo er mit anderen mutmaßlichen El-Kaida- und Taliban-Anhängern festgehalten wird.

Die Ermittler stellten unterdessen fest, dass unter den am Samstag gemeinsam mit Sheikh Mohammed gefassten Verdächtigen mit Mustafa Ahmed al Hawsawi auch der Zahlmeister von El Kaida war, der offenbar die Todespiloten vom 11. September mit Geld versorgt hatte.

Brief nicht datiert
Die gefundenen Briefe seien nicht datiert, sagte der Sicherheitsbeamte, der anonym bleiben wollte. Pakistanische Ermittler gingen davon aus, dass es sich um die Handschrift von Osama bin Laden handle. Aus dem Umfeld der Ermittler verlautete, Sheikh Mohammed habe im Verhör ausgesagt, mit Bin Laden mittels eines komplizierten Botensystems kommuniziert zu haben. Teilweise habe Bin Laden per E-Mail Kontakt zu Boten aufgenommen, die dann persönlich Briefe bei den Adressaten abgegeben hätten.

Neue wichtige Informationen über die El Kaida
Mit der Festnahme von Sheikh Mohammed und Al Hawsawi liegen nach Angaben des pakistanischen Innenministers Faisal Saleh Hayat "genug wichtige Informationen über den unmittelbaren nationalen und internationalen Kontext" von El Kaida vor. Die gefundenen Daten erlaubten Rückschlüsse auf die Methoden und die Finanzquellen des Netzwerks. Die pakistanischen Geheimdienste könnten nun hart durchgreifen gegen alle Verbindungen in Pakistan, "aktive oder Schläfer". Möglicherweise werde es weitere Festnahmen geben. Bin Laden sei allerdings "nicht in Pakistan", betonte der Minister. Westliche Geheimdienste vermuten Bin Laden im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan, die pakistanischen Behörden eher im Nachbarland. Sheikh Mohammed machte über Bin Ladens Verbleib bisher offenbar widersprüchliche Angaben.

5.3.2003 16:03