Dienstag, 4. März 2003

Tausende britische und US-Soldaten bereits im Irak

  • Kurden-Dorf - irrtümlich als Terror-Camp bezeichnet - in Angst
  • PLUS: Alle Hintergrund-Infos zum drohenden Irak-Krieg!

Während im UN-Sicherheitsrat das Ringen um eine neue Resolution zum Irak ohne Pause weitergeht - die USA erwarten eine Entscheidung kommende Woche - geht der britische und US-Aufmarsch am Golf weiter. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterschrieb weitere Marschbefehle. Derweil meldet die britische Presse, dass sich mittlerweile Tausende Elitesoldaten im Irak befänden. Ein kurdisches Dorf, das sich als "Terror-Camp" in den Terror-"Beweisen" der USA für die UNO befindet, hat Angst.

Das kurdische Dorf Khurmal im Nordirak hat Angst - und mit Recht. Denn eine Luftaufnahme der Ansiedlung ist Teil der "Beweise"-Diashow von US-Außenminister Colin Powell am 5. Februar vor dem UN-Sicherheitsrat gewesen. Und auf diesem Foto wurde das friedliche, kleine Dorf als "terroristische Giftgas- und Sprengstoff-Fabrik" betitelt. Die Kurden sagen, die eigentliche Fabrik befindet sich in Sarget, mit dem Auto 35 Minuten entfernt. Wenn es zum Krieg kommt, müssen die Dörfler wohl trotzdem mit einem Bombenhagel rechnen. Es ist höchste Zeit für eine Massen-Übersiedlung.

Tausende Soldaten bereits im Irak
Mehrere tausend Elitesoldaten aus den USA, Australien und Großbritannien haben einem Zeitungsbericht zufolge im Irak bereits mit den Vorbereitungen für einen Krieg begonnen. Mit den Sondereinsätzen seien mehr als 4.000 australische und US-Soldaten beauftragt, die in Katar, Jordanien, Kuwait und in der Türkei stationiert seien, berichtete die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" am Dienstag. Großbritannien sei mit rund 240 Agenten des "Special Air Service" (SAS) und etwa hundert weiteren Soldaten an den Aktionen beteiligt. Die Soldaten seien dabei, in gemeinsamen Einsätzen irakische Ölfelder westlich von Bagdad zu überwachen, die Bewegungen der irakischen Truppen zu beobachten und militärische Ziele zu überprüfen. Zudem sollten sie im Südwesten des Irak geeignete Plätze für die Errichtung von Kriegsgefangenenlagern suchen.

Die Zeitung "The Times" berichtete, die britische Luftwaffe sei mittlerweile mit dreimal so vielen Maschinen im Irak im Einsatz wie bisher. Die Zahl der britischen Maschinen, die mit US-Flugzeugen die Flugverbotszone im Irak überwachen, sei erst kürzlich von 21 auf mehr als 60 Maschinen aufgestockt worden. Geplant sei die Stationierung von rund hundert Flugzeugen.

Neue Irak-Resolution kommende Woche
Die USA rechnen in der kommenden Woche mit einer Abstimmung über ihre Resolution, die einen Krieg gegen den Irak ermöglichen würde. Voraussichtlich werde der Weltsicherheitsrat bereits einige Tage nach dem neuen Bericht der UNO-Waffeninspekteure am Freitag über den Entwurf abstimmen, sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Negroponte, am Montag in New York.

Widerspruch aus Russland
Die russische Regierung hat sich allerdings bereits gegen eine Abstimmung über den von den USA, Großbritannien und Spanien eingebrachten Entwurf für eine neue Irak-Resolution im UNO-Sicherheitsrat ausgesprochen. Ein Votum "in der derzeitigen Situation wird zunehmend unbegründet und ungerechtfertigt", wurde der russische Vize-Außenminister Juri Fedotow am Dienstag von der Moskauer Nachrichtenagentur Interfax zitiert.

Weitere Marschbefehle für US-Truppen
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat am Wochenende zwei weiteren großen Militäreinheiten den Marschbefehl für einen Einsatz im Golf erteilt. Betroffen seien die in Wiesbaden stationierte Erste Panzerdivision und die Erste Kavalleriedivision, die ihre Basis in Fort Hood im US-Bundesstaat Texas, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Montag in Washington. Der Abreisetermin sei noch nicht klar. Einige der Truppen hätten in der Türkei stationiert werden sollen. Nach dem ablehnenden Votum des türkischen Parlaments müsse nun zunächst geklärt werden, wohin die Soldaten entsandt werden sollten.

4.3.2003 07:51