Dienstag, 4. März 2003

Schönbrunn wartet auf Elefantennachwuchs

  • Bei Dickhäutern eine "schwierige Geburt"
  • DIE BILDER: Süße Tierbabys im Tiergarten Schönbrunn!

In Schönbrunn gibt es bald Nachwuchs! Ultraschall, Blutuntersuchung und Schwangerschaftsgymnastik - zwischen Elefantenkuh Tonga (im Bild mit Baby-Elefant Abu) und anderen werdenden Müttern scheint es derzeit viele Gemeinsamkeiten zu geben. Doch eine Niederkunft bei Dickhäutern ist zumeist eine "schwierige Geburt", die derzeit im Tiergarten Schönbrunn für Mitte Juni akribisch geplant wird, wie Vizedirektor Dr. Harald Schwammer berichtete.

In der Natur sondert sich eine Kuh mit zwei, drei Tanten, die als Hebammen fungieren, von der Herde ab. Dort läuft die Geburt zumeist problemlos ab. "Im Zoo hingegen ist es bei einer Erstgebärenden oft der Fall, dass sie völlig unerfahren erschreckt und eventuell sogar aggressiv gegen ihr Junges wird und es tötet", so der Fachmann.

Deshalb werden die Tiere in Gefangenschaft zu 95 Prozent angekettet, was allerdings Nachteile hat: So kann sich die Kuh nicht frei bewegen, wodurch der Geburtsvorgang verlängert und somit das Risiko eines Zwischenfalls erhöht wird. In Schönbrunn hatte man sich daher bereits bei der Geburt von Abu für einen progressiven Weg entschieden: Sabi stand neben der Gruppe frei in einer Box, wodurch die anderen Herdenmitglieder sie berüsseln und mit ihr kommunizieren konnten. Möglich wurde ein solches Risiko durch deren ruhigen Charakter.

Abu ist bei der Geburt dabei
Bei der 17-jährigen Tonga will Schwammer nun noch einen Schritt weiter gehen und sie in der Innenanlage lediglich durch ein Seil von der Herde trennen. Direkt bei ihr werden "Freundin" Sabi und Abu sein. "So weit der Plan, den wir noch ändern können, wenn die Tiere hektisch werden." Aber auch wenn zunächst alles glatt geht, ist dies noch keine Garantie, wie man in einem kalifornischen Zoo zur Kenntnis nehmen musste: Die frisch gebackene Mutter schien völlig ruhig und tötete ihr Kind 15 Minuten nach der Geburt.

"Wenn das Tier aggressiv wird, kann man nichts machen", gibt sich Schwammer keinen Illusionen hin, der mit zwei bis vier Pflegern sowie einem Veterinär beim großen Augenblick mitfiebern wird. Das Geschehen wird von außerhalb gefilmt und beobachtet. Ob man eingreifen kann, muss oder ob es überhaupt zu gefährlich ist, wird man dann entscheiden.

Aber trotz aller möglichen Komplikationen ist man in Schönbrunn eher optimistisch eingestellt: Tonga, nach Sabi die Nummer Zwei in der Rangordnung ist pumperlgesund und wird auf körperliche Höchstform getrimmt. Mit einer solchen Kondition sollte die Geburt ebenso ein "Kinderspiel" sein wie bei Sabi, die nach 20 Minuten Wehen und zwei Minuten eigentlicher Geburt Abu aus einem Dreiviertel-Meter auf den Boden plumpsen ließ.

Unsanfte Geburt
"Elefanten gebären im Stehen, sie bewegen sich dabei, drehen und setzen sich zwischendurch", weiß Schwammer. Die "Landung" für den Baby-Elefanten auf dem Recycling-Gummiboden der Innenanlage wird durch Einstreu nur etwas weicher vor sich gehen als auf dem in der Trockenheit beinharten Boden in Afrika.

Dieses unsanfte Willkommen in der Welt hat aber auch einen positiven Effekt: Durch den "Platscher" reißt die Geburtshülle und die Nabelschnur ...

4.3.2003 08:54