Dienstag, 4. März 2003

Saab hofft mit neuem Angebot auf letzte Chance

  • Neues Angebot offiziell präsentiert
  • PLUS: Alle Infos zum umstrittenen Abfangjäger-Kauf (Kasten)!

Auf eine letzte Chance für seinen Gripen-Kampfjet in Österreich hofft der schwedische Saab-Konzern dank der neuen Regierung und des in der Vorwoche bekannt gewordenen neuen Angebots. Österreich-Vertreter Roger Lantz hat in der Vorwoche persönlich ein Angebot für 18 Maschinen samt Übergangslösung um 998 Millionen Euro im Verteidigungsministerium deponiert, sagte er am Montagabend vor Journalisten. Botschafterin Gabriella Lindholm hakt nun nach. Sie habe bereits um einen Termin beim neuen Verteidigungsminister Günther Platter (VP) ersucht.

Das neue Angebot lautet auf 18 Maschinen und damit auf die von der Bundesregierung nach der Hochwasserkatastrophe neu festgelegte Stückzahl. Nach dem Vorbild einer kürzlich mit Ungarn fixierten Vereinbarung solle es sich um neue Maschinen mit einer Lebensdauer von 30 Jahren oder mehr handeln. Zum Teil würde man auf bei der schwedischen Luftwaffe überzählige Ausrüstung - Lantz nannte als Beispiel etwa das Radar - zurück greifen. Angeboten würden auch Kompensationsgeschäfte in der Höhe von 200 Prozent des Kaufpreises. Das Geschäft könnte sowohl mit Saab als auch direkt mit der schwedischen Regierung abgeschlossen werden.

Beginnen könnte die Auslieferung der Flugzeuge, die auch über Leasing finanziert werden könnten, im Jahr 2006. Zuvor würde eine Übergangslösung mit sechs Maschinen aus den Beständen der schwedischen Luftwaffe zum Tragen kommen, um die mit dem Betriebsende der Draken im Jahr 2005 sonst entstehende Lücke in der Luftraumüberwachung zu füllen. Diese Übergangslösung wäre im Paketpreis enthalten, so Lantz.

Die schwarz-blaue Regierung hat sich freilich im Vorjahr gegen den Gripen und für den Eurofighter entschieden. Und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) hat betont, am eingeleiteten Beschaffungsvorgang festhalten zu wollen.

"Ich weiß, dass Entscheidungen erst dann getroffen sind, wenn ein Vertrag unterschrieben ist", will Lindholm dennoch nicht aufgeben. Übertriebene Hoffnungen dürfte sie sich dennoch nicht machen: "Wir haben absolut nichts zu verlieren. Aber Österreich hat alles zu gewinnen." Warum der freiheitliche Zweite Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn in den vergangenen Wochen als Unterstützer für den Gripen und gegen den Eurofighter aufgetreten ist, könne sie sich nicht erklären.

Dass der Österreich-Auftrag für den Gripen praktisch der letzte Strohhalm wäre, um ins Exportgeschäft zu kommen, wies der Kommunikationschef von Gripen International, Owe Wagermark, zurück. Seiner Darstellung nach hofft das schwedisch-britische Konsortium - für die internationale Vermarktung arbeitet Saab mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems zusammen - weltweit auf 200 verkaufte Jets in den kommenden zehn Jahren.

4.3.2003 08:35