Montag, 24. Februar 2003

Niederländer will legalen Tauschbörsen-Service starten

  • "The Honest Thief" setzt auf Entscheidung des Höchstgerichts

Das niederländische Unternehmen PGR will künftig Rechtsberatung, Software und sonstige Hilfestellung für Unternehmen bereitstellen, die Peer-to-Peer-Services wie KaZaA und LimeWire anbieten. Damit macht sich PGR ein Gerichtsurteil zu Gunsten der Online-Musiktauschbörse KaZaA zu Nutze, berichtet das Wall Street Journal (WSJ).

Demnach plant PGR-Chef Pieter Plass mit seinem Projekt "The Honest Thief" ("Der ehrliche Dieb") die Niederlande zur Schweiz der Peer-to-Peer-Systeme (P2P) zu machen. Ob dieses Kalkül aufgeht ist allerdings nicht zuletzt davon abhängig, ob das niederländische Höchstgericht die Entscheidung bestätigt und damit KaZaA & Co einen Zufluchtsort vor der US-Justiz bietet.

P2P: Börsen nicht für User verantwortlich?!
Im vergangenen Jahr hat ein niederländisches Gericht entschieden, dass KaZaA, damals noch im Besitz des Gründers, nicht für die Copyright-Verletzungen der User verantwortlich ist. Das Software-Unternehmen könne nicht kontrollieren, wie die File-Sharing-Software genutzt werde. Die Kläger haben jedoch berufen. Eine endgültige Entscheidung des Höchstgerichts wird im Herbst erwartet. Diese Situation will Plass nutzen, um "ehrliches Geld" zu verdienen. Sein in Arnheim ansässiges Neun-Mann-Unternehmen habe eine Software entwickelt, die ähnlich arbeitet wie die bekannter P2P-Systeme.

RIAA-Position
Die Musikindustrie sieht dies naturgemäß anders. RIAA-Präsident Cary Sherman versicherte, dass die US-Musikindustrie ihre Urheberrechte auch außerhalb der USA durchsetzen werde. Die Entscheidung des niederländischen Gerichts bezeichnete er als "Fehlentwicklung", die "rückgängig gemacht wird". Die ursprünglich niederländische Tauschbörse KaZaA, derzeitiger Erzfeind der Musikindustrie, ist inzwischen im Besitz des in Vanuatu gemeldeten Unternehmens Sharman Networks. (pte/red)

24.2.2003 14:44