Wie verlugnert ist der Opernball?
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Der Ball der Bälle – bevölkert von Pornostars und Parvenus. Top-Gäste bleiben aus. Pamela Andersons Wien-Fahrplan.
Alles, wirklich alles hat Elisabeth Gürtler mit der Gelassenheit der Dame von Welt ertragen: den Baumeister, auf dessen allwaltenden Drang der Ball die Wirkung einer Vorteilspackung Viagra ausübt; seine üppigen Weibspersonen, neben denen sich selbst Mausi, die Baumeisterin, wie ein Mitglied der Hocharistokratie ausnimmt; sogar den Sexualpublizisten Janisch aus Bad Ischl, der Jahr für Jahr die Pornodarstellerinnen erfolgreich durch alle Kontrollen schleust, weil sie angezogen keiner erkennt.
Abgeklärt
Das Duell zwischen Bau- und Saumeister kann die Ball-Direktrice längst nicht mehr aus der Contenance bringen. Mit Janisch-Gast Dolly Buster, die ihr noch vor vier Jahren als „einzige Provokation“ erschien, hat sie ihren Frieden gemacht. Schlimmer als Pamela Anderson, Lugners gewerblicher Ballgast, kann es auch nicht werden. „Soll doch kommen, wer will! Wenn sie für Lugners Geschäfte gut ist, soll mir alles recht sein“, lässt Gürtler abgeklärt verlauten.
Und dass sie auch bei den gleichgeschlechtlichen Tanzpaaren, die sich in Andersons Gefolge angesagt haben, nicht nach der Sitte rufen werde. Selbst wenn sich – wie man hört – der unerzogene Musiker Kid Rock, Andersons aktueller Begleiter, in einen Frack zwängte, um seine neue CD zu promoten, wird sie sich den Abend nicht verderben lassen.
Familie Putz in der Loge
Jetzt aber reicht es. Gürtlers penibel fassonierte Frisur scheint sich einen korrekturbedürftigen Zentimeter zu sträuben angesichts der Schmach, die ihr zu ihrem vierten (und dem ingesamt 47.) Opernball droht: Die Familie Putz, die zum Besten einer fast gleichnamigen Möbelkette das lustigste Fernsehprogramm seit dem großen Erdbeben von San Francisco macht, wird auf dem Opernball erwartet. NEWS meldete es, und Gürtler vernahm es mit Entsetzen: Frackschneider Peppino Teuschler habe sich erst gegen ihren Willen in den Besitz von Loge Nummer eins im 2. Rang gesetzt – eine mit Geld nicht zu bezahlende Preziose im hells-
ten Scheinwerferlicht. Gleich neben dem Bundespräsidenten, der heuer keinen noch so bescheidenen Erweiterungsstaatsmann in seine Loge nötigen konnte. Gürtler hätte dort gern die Spitzen des Staates gesehen, doch Staatsopernchef Holender befand: „Wer uns die Fräcke liefert, bekommt auch eine Loge!“
Jetzt steht der wackere Professionist im Ruf von Gier und Tücke: Er soll die Loge an die Macher der Klamaukfamilie weiterverschachert haben, die jetzt – praktisch gleichzeitig mit einem zum Anlass gedrehten Werbespot – neben dem Bundespräsidenten in die Kameras winken will. Gürtlers vieles verzeihende Devise „Was für die Wirtschaft gut ist, ist es auch für mich!“ versagte hier. Mitten in seiner Frack-Hochsaison drohte sie dem Schneidermeister mit Logenentzug.
Gebrochener Schneider
Teuschler, gebrochen zu NEWS: „Ich bin ein honoriger Mann. Ich will mit niemandem Streit. Und jetzt ist meine Reputation dahin, denn ich war nicht eingeweiht. Man hat mich in Unkenntnis darüber gelassen.“ Ja, gewiss habe er mehrere Logenplätze an hohe Manager des Möbelhauses weitergegeben. Aber: „Erst, als sich der Bub der Familie bei mir einen Frack anpassen ließ, ist mir der Frevel gedämmert.“ Nur über seine Leiche, so schwor
er der ergrimmten Direktrice, werde Familie Putz in seine Loge gelangen. Da die Sippe allerdings im Besitz gültiger Eintrittskarten ist, wird sie, wie angekündigt, um 21.30 Uhr die Feststiege hinanschreiten.
Autorin: Senta Ziegler
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