Mittwoch, 26. Februar 2003

Feuer frei auf Saddam Hussein: Vor dem Sturm

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NEWS-Reporter live an Bord des US-Flugzeugträgers „Abraham Lincoln“: Im Süden des Irak warten Hunderte Kampfbomber nur noch auf Bushs Einsatzbefehl zum totalen Luftangriff auf Bagdad.

Ihr habt einen tollen Job gemacht“, krächzt es aus den Lautsprechern im riesigen Hangar unter der Landepiste des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln. Die ölverschmierten Mechaniker lassen ihre Werkzeuge liegen, als sie vom Kapitän auf den bevorstehenden Besuch des Navy-Chefs eingestimmt werden. „Antwortet ehrlich auf seine Fragen“, hallt es durch die Halle. „Und sagt ihm vor allem, wie großartig es ist, auf einem Flugzeugträger Dienst zu tun!“

Countdown zum Krieg
Beim Lokalaugenschein auf einem der größten und modernsten Flugzeugträger der Welt erlebt NEWS, mit welcher Intensität die Vorbereitungen auf den Irak-Krieg laufen. Obwohl die Flüge nur der Luftaufklärung südlich des 36. Breitengrades dienen, startet das komplette Angriffsgeschwader mit allem, was die Abraham Lincoln zu bieten hat: den Kampfjets „Hornet“, „Superhornet“ und „Tomcat“, dem Tankflugzeug „S-3B Viking“ und der „EA-6B Prowler“ zur elektronischen Kriegsführung.

Zweifel an der Irak-Mission sind unter den Soldaten, trotz der globalen Protestwelle und des diplomatischen Kleinkriegs in der UNO, kaum zu spüren. „Jeder kann seine Meinung haben“, erklärt der Chef der Superhornet-Schwadron, Dale Horan, kurz angebunden. „Aber wir diskutieren nicht. Wir führen Befehle aus.“ Der 42-jährige Kalifornier ist überzeugt davon, dass man Saddam abrüsten müsse. „Die Welt wird das hoffentlich auch bald so sehen!“

Ob er selbst daran denkt, was die von ihm abgeworfenen Bomben anrichten können? „Wir sind ziemlich gut in dem, was wir tun“, antwortet er zögernd. „Die Verhinderung möglicher Kollateralschäden hat eine hohe Priorität bei der Planung. Wir fragen uns vor jedem Einsatz: Wo sind Zivilisten? Gibt es im Zielgebiet Kirchen, Moscheen, Spitäler oder Schulen?“ Dass seine Bomben auch Zivilisten töten, kann er nicht bestreiten. „Aber die Gewissheit, alles getan zu haben, um es zu verhindern, lässt mich gut schlafen.“

Vorbereitung auf den Start
In der geschäftigen Routine des Pilotenlebens bleibt wenig Zeit zum Nachdenken: Zweieinhalb Stunden vor dem Start erhalten die Mannschaften detaillierte Instruktionen über ihre Aufgaben und Ziele. Dann werden die Kampfanzüge angelegt, deren aufblasbare Hosen vor den enormen Gravitationskräften schützen. „Jedes Teil muss genau passen“, zeigt Kevin Laye auf die in seiner engen Umkleidekabine in mustergültiger Ordnung nebeneinander hängenden Ausrüstungsgegenstände. Bis zu 27 Kilo tragen Piloten am Körper mit sich. „Bei Landungen auf der oft zwei Meter nach oben oder unten schwankenden Landepiste kann jede Kleinigkeit zur Tragödie führen“, weiß der 38-Jährige.

Zwei Sekunden von 0 auf 260
Dem gewissenhaften Check an Deck folgen halbstündige Startvorbereitungen. Dann der Take-off: Ein mit Dampfdruck betriebenes Katapult beschleunigt die bis zu 37 Tonnen schweren Maschinen in zwei Sekunden von 0 auf 260 Stundenkilometer. Voll getankt wird erst in der Luft. Bis zu sechs Stunden dauern die Überwachungsflüge. Geschossen wird nur, wenn irakische Luftabwehrstellungen das Feuer eröffnen.

Die „gefährlichsten 4,5 Acres der Erde“ nennt die Besatzung das drei Fußballfelder große Flugdeck, auf dem 55 Kampfjets zwischen Starts und Landungen hektisch rotieren. Das Personal ist mit Schwimmwesten, Gehörschutz und Helmen ausgestattet und nach Farben organisiert: Violett für die Auftanker, Blau für Flugzeugbetreuer, Grün für Techniker, Rot für die Munitionierer, Weiß für die Inspektoren, Gelb für die „Shooter“, die das Katapult bedienen.

Dünne Linien markieren die Grenzen der Startbahn, an denen die Tragflächen der Jets knapp über Augenhöhe vorbeizischen. Mit konzentrierten Gesichtern bewegt sich die Mannschaft durch das Labyrinth potenzieller Todesfallen, von der glühend heißen Luft der Triebwerksstrahlen bis zu den Rotorblättern der Helikopter. In riesigen Blockbuchstaben ist an den Kontrollturm gepinselt: Beware of jet blast, propellers and Rotors (Achtung vor Jet-Gebläsen, Propellern und Rotoren).

Der bordinterne Fernsehkanal zeigt, was die Mediensprecher Journalisten gegenüber wie ein militärisches Geheimnis hüten: 48,067 nördliche Breite, 50,99 östliche Länge beträgt die Position zum Zeitpunkt der NEWS-Visite.

Trotz der modernen Radar-Elektronik hält hinter der Brücke ein Team junger Seeleute mit eigenen Augen Ausschau nach möglichen Gefahren. „Wir sind trainiert, nach Treibminen, das Radar unterfliegenden Objekten oder verdächtigen Schiffen Ausschau zu halten“, sagt Jamie Laird aus Florida. „Meistens sehe ich aber nur tote Ziegen oder Kisten im Meer treiben.“ Nach acht Monaten Einsatz beginnt die Achtzehnjährige, Familie und Freunde zu vermissen. Der Navy sei sie beigetreten, um die Welt zu sehen. „Und dann hat der Terror des 11. September dem erst richtig Sinn gegeben.“

Herbert Bauernebel von Bord der „USS Abraham Lincoln“

Die ausführliche Story lesen Sie im neuen NEWS.

Außerdem:

  • Richter über Krieg und Frieden
  • So funktioniert die USS Abraham Lincoln

    26.2.2003 13:37