Sonntag, 2. März 2003

Falschgeld im Wert von 300.000 € beschlagnahmt!

  • Bande stammt aus Osteuropa - fünf Personen verhaftet
  • Die Ermittlungen liefen bereits seit 2001

Falschgeld im Nennwert von 300.000 Euro in Form von 50 Euro-Scheinen sind am Freitag-Abend von der Exekutive beschlagnahmt worden. Das wurde am Montag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck bekannt gegeben. Damit handelt es sich laut Behördenangaben um den bisher größten Aufgriff von Euro-"Blüten" in Österreich.

Bereits im Spätherbst 2001 lagen der Exekutive Hinweise vor, dass ein im Großraum Innsbruck wohnhafter 44-jähriger Bulgare einen Drogen-Verteilerring in Tirol aufgebaut haben könnte. Ermittlungen der Kriminalabteilung Tirol und des Bundeskriminalamts ergaben, dass Suchtgift- und Falschgeldtransporte von Bulgarien nach Österreich im Zuge von legalem Gebrauchtwarenhandel organisiert worden waren, berichtete der Chef der Kriminalabteilung der Tiroler Gendarmerie, Erwin Mayerl bei der Pressekonferenz.

Die Ware kam hierbei in speziell präparierten Fahrzeugen nach Österreich. In der Nacht auf Freitag gelang es Beamten der Kriminalabteilung Tirol, Einheiten des Bundeskriminalamtes und der Cobra, die Lieferung mit "Blüten" im Nennwert von 300.000 Euro und ein Kilo Kokain auf einer Autobahn in Tirol abzufangen. Der Lieferant wurde auf einer Raststätte verhaftet. Die gesamte Ware war ursprünglich im Rücksitz des Fahrzeuges eingebaut gewesen, doch zum Zeitpunkt der Verhaftung bereits in einem anderen Auto versteckt worden.

Der mutmaßliche bulgarische Drahtzieher wurde in seiner Wohnung verhaftet, er leistete keinen Widerstand. Drei als Verteiler tätige Österreicher (einer davon türkischer Herkunft) wurden ebenfalls verhaftet. Ein vierter Mann, in dessen Wohnung ein Suchtgiftdepot gefunden worden war, wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Mann hatte ein Geständnis abgelegt und dürfte keinerlei Suchtgifthandel betrieben haben.

Qualität der Euro-Blüten "gut"
Die Qualität des Falschgeldes wurde von Mayerl als "gut" bezeichnet. Es sei aber wesentlich helleres Papier als bei echten Euro-Scheinen verwendet worden. Außerdem würden alle fluoreszierenden Merkmale der Geldscheine fehlen.

Im ersten Jahr der Euro-Umstellung tauchten nur rund halb so viele gefälschte Banknoten auf wie ein Jahr zuvor. Seither geht es aber "Schlag auf Schlag": Im Februar wurde die Ausforschung von zwei Fälscherbanden in Salzburg bzw. im Burgenland bekannt gegeben. Jetzt gelang in Tirol der bisher größte Aufgriff von Euro-"Blüten" in Österreich. Die "Schmutzkonkurrenz" der Nationalbank hat sich auf den Euro umgestellt.

2002 wurden 5.068 Stück gefälschte Euroscheine mit einem Nennwert von 300.000 Euro sichergestellt. 2001, im Jahr vor der Umstellung, waren 11.711 "Blüten" entdeckt worden - 2.780 Schilling-Scheine, 1.346 DM und 7.585 Lire. Der Nennwert hatte umgerechnet 700.000 Euro betragen.

Innenminister Ernst Strasser und der Chef des Bundeskriminalamtes (BK), Herwig Haidinger, bezeichneten die Bilanz des ersten Euro-Jahres Anfang Februar 2003 als "grundsätzlich gutes Ergebnis". Der Trend der vier Monate zuvor habe allerdings schon gezeigt, dass die Entwicklung an der "Blüten"-Front nicht so ruhig bleiben dürfte. Die Fälscherbanden mussten sich nur erst auf die neue Situation einstellen.

Vorallem 50- & 100 Euro-Noten gefälscht
Die Banden operieren laut Polizei vor allem von Ost- und Südosteuropa aus. Sie haben sich auf die Produktion von 50- und auch 100-Euro-Scheinen spezialisiert. Geographisch hat sich der Absatz tendenziell von West nach Ost verlagert: Während früher "Blüten" vor allem in den grenznahen Fremdenverkehrsregionen im Westen in Umlauf gebracht wurden, kursierte 2002 am meisten Falschgeld in Ostösterreich - im Großraum Wien mit den riesigen Einkaufszentren.

2.3.2003 15:58