Kult-Uhr Swatch feiert 20. Geburtstag
- In 20 Jahren weltweit 300 Mio. Uhren verkauft
- 2.500 Modelle der Designer-Uhr bereits auf dem Markt
Die Schweizer Plastik-Uhr Swatch feiert ihren 20. Geburtstag. Die Billig-Uhr mit dem revolutionären Design entstand 1982 und wurde im März 1983 erstmals verkauft. Aus der Designer-Uhr wurde rasch ein Mythos, der entscheidend zur Wiedergeburt der schweizerischen Uhrenindustrie beigetragen hatte. "Bis heute sind gut 300 Millionen Swatch in 80 verschiedenen Ländern verkauft worden", sagte Firmensprecherin Carmen Daetwyler gestern, Dienstag. Die Swatch-Väter kreierten in den vergangenen 20 Jahren nicht weniger als 2.500 verschiedene Uhren-Modelle.
Der durchschlagende Erfolg der Swatch stehe im krassen Gegensatz zur Skepsis, mit welcher seinerzeit ihr Marktauftritt beobachtet worden sei. Die meiste Kritik erntete die Swatch wegen ihres deutlich vernehmbaren Tickens. Böse Zungen sprachen damals sogar von einem "Dampf-Quarz-Antrieb". Die Swatch, deren Vaterschaft nach wie vor umstritten ist, wurde mitten in der wohl schwersten Krise der Schweizer Uhrenindustrie, in den 70-er und Anfang der 80-er Jahren, lanciert. Die einheimischen Hersteller hatten sich zu lange auf früheren Lorbeeren ausgeruht und die technologischen Umwälzungen - insbesondere der Quarz-Uhr - verschlafen.
Konkurrenz aus Japan
Die schweizerische Uhrenindustrie sah sich plötzlich einer unerwartet starken Konkurrenz aus Japan gegenüber, auf welche sie in einer ersten Phase keine Antwort fand. Dazu gesellte sich eine allgemeine Wirtschaftskrise. In dieser Periode verlor die Branche an die 60.000 Arbeitsplätze.
Die Swatch kam also als Antwort auf die neuen Herausforderungen auf den Markt. Sie musste nach den Vorgaben von Firmengründer Nicolas Hayek, Chef der damaligen SMH, in erster Linie innovativ sein. Nur noch 51 Einzelteile statt über 100 bei einer traditionellen Uhr, Montage auf einem Kunststoffgehäuse, Quarz-Uhrwerk und ein deutlich tieferer Preis sollten im Kampf gegen die Konkurrenz aus Fernost helfen.
Mode-Trend
"Die Uhr wird zum Mode-Gegenstand", war eine weiter Neuheit der Swatch-Philosophie. Zweimal jährlich werden neue Kollektionen mit jeweils bis zu 30 verschiedenen Modellen vorgestellt. Diese sollten nach dem Willen ihrer Väter die neuen Trends bereits vorweg nehmen. Dazu kamen einfallsreiche Werbekampagnen wie etwa der Slogan "Time is what you make of it."
Rascher Erfolg
Sehr schnell stellte sich auch der Erfolg ein. Nur vier Jahre nach ihrer Lancierung wurden Swatch-Kollektionen beim amerikanischen Traditions-Auktionshaus Sotheby's versteigert. Es war der italienische Bijoutier Gianni Bulgari, der die 125 angebotenen Swatch-Uhren ersteigerte. "Swatch ist ein äußerst intelligentes Unternehmen. In seiner Branche wird Swatch in die Geschichte eingehen. Swatch hat etwas geschaffen, das nahe an ein Kunstwerk herankommt", hatte Bulgari damals erklärt.
Der Markenname Swatch prägte die ganze Gruppe derart, dass Hayek 1998 beschloss, die SMH in Swatch Group umzutaufen. Die Marke hatte allerdings nicht nur Erfolgserlebnisse. Ein Beispiel dafür ist etwa das Mini-Auto Smart, das schließlich von DaimlerChrysler fertig entwickelt wurde und heute in Frankreich gebaut wird. Ein weiterer Rückschlag: In den USA, dem wichtigsten Markt der schweizerischen Uhrenindustrie, wurden letztes Jahr die Swatch-Uhren in den großen Einkaufszentren nicht mehr angeboten.
20 Jahre nach ihrer Geburt braucht die Swatch eine zweite Jugend. Konzernsprecherin Daetwyler versichert allerdings, dass dem Swatch-Team die Ideen bei weitem nicht ausgegangen seien. "Im laufenden Jahr werden wir zahlreiche Neuheiten vorstellen", kündigte sie an.
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