Mittwoch, 26. Februar 2003

Premiere will 2003 Verluste weiter deutlich senken

  • Minus auf 533 Millionen Euro halbiert
  • Abo-Sender will Ende 2005 an die Börse (Kasten)

Der Bezahlsender Premiere hat seine Verluste im vergangenen Jahr halbiert. Das Minus sei von gut 1,1 Mrd. Euro auf 533 Mio. Euro gesunken, teilte Premiere am Mittwoch in München mit. Im vierten Quartal sank der operative Verlust von knapp 223 auf 61 Mio. Euro. 2004 will Premiere erstmals Gewinne erzielen. Der Sender gehörte früher zur zusammengebrochenen KirchGruppe und wurde kürzlich an eine Investorengruppe verkauft.

Der operative Verlust (Ebitda) betrage 339,6 Mio. Euro nach 880,2 Mio. Euro im Vorjahr. Firmenchef Georg Kofler kündigte in einem Reuters-Interview an, im laufenden Jahr den operativen Verlust auf etwa 80 Mio. Euro weiter drücken zu wollen.

Kofler hatte vor einem Jahr die Geschäftsführung übernommen und das einstige Sorgenkind von Kirch auf Kurs gebracht. Der Südtiroler halbierte die Kosten und sorgte mit einer neuen Programmstruktur und neuen Angeboten - etwa bei Erotikfilmen - wieder für steigende Abonnentenzahlen.

Der Umsatz sei 2002 um 4,1 Prozent auf 825,7 Mio. gewachsen, teilte das Unternehmen mit. Kofler sagte, 2003 solle der Umsatz auf über 900 Mio. Euro steigen. Der Sender gehörte zum Imperium des untergegangenen Medienimperiums von Leo Kirch und wurde vergangene Woche von dem europäischen Finanzinvestor Permira übernommen. Premiere hatte lange nach einem Investor gesucht, der das Überleben sichert. Permira will nach Angaben Koflers bis zu 220 Mio. Euro an frischem Kapital einbringen.

Schwarze Zahlen für 2004 geplant
Die Zahl der Abonnenten stieg bis Ende Dezember auf 2,41 (2,29) Millionen, wie der Sender weiter mitteilte. "Bis Ende 2003 wollen wir 2,9 Millionen Abonnenten haben, um wie geplant in der ersten Hälfte 2004 schwarze Zahlen zu schreiben", sagte Kofler. Etwa drei Millionen Kunden seien notwendig, um Gewinne zu machen, bekräftigte er. Im vierten Quartal sei der Umsatz trotz der Konsumschwäche im Kerngeschäft, den Programm-Abonnements, um 18 Prozent auf 157 Mio. Euro gestiegen, teilte der Sender mit. Die Zahl der Abonnenten sei in den letzten drei Monaten um 153.000 gewachsen.

Kofler sagte, der Sender plane keine weitere Ausweitung seines Erotikprogrammes, um neue - vor allem männliche - Kunden zu locken. "Wir werden in Deutschland noch eine Zeit lang eine medienrechtliche Diskussion haben", sagte der Senderchef. Während andere Länder wie Österreich liberaler seien, gebe es in Deutschland immer noch rechtliche Beschränkungen für Erotiksendungen. Zurückhaltend zeigte sich Kofler auch zu den Börsenplänen des Senders. "Wir müssen erst ein paar Quartale Gewinne machen, um an die Börse zu gehen", sagte der Südtiroler. Er erwarte daher einen Börsengang von Premiere erst in der zweiten Hälfte 2005.

26.2.2003 15:10