Mittwoch, 26. Februar 2003

Malaysia: Moslemische Staaten überlegen Ölboykott

  • Öl als Druckmittel gegen Irak-Krieg einsetzen?
  • Ölpreis auf Zweieinhalbjahres-Hoch (Kasten)

Um ihrer Opposition gegen einen Irak-Krieg Nachdruck zu verleihen, denken islamische Staaten nach den Worten des malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamad über ein Ölembargo nach. Man sei sich jedoch noch nicht über die Taktik einig, sagte Mahathir am Mittwoch in Kuala Lumpur nach einem Treffen mit Vertretern von 49 moslemische Staaten, darunter 20 ölproduzierende Länder. "Es gibt den Vorschlag, dass wir unsere Ölvorkommen einsetzen, um Druck auszuüben", sagte Mahathir.

Die USA drängen unterdessen die Türkei auf eine Entscheidung über eine US-Truppenstationierung. Die UNO-Inspektoren setzten am mittwoch ihre Suche nach Spuren von eventuellen Biowaffen im Irak fort.

Zu einem möglichen Ölboykott sagte Mahathir auf der Tagung der Islamischen Konferenz-Organisation (ICO): "Wie das getan werden kann, ist eine andere Frage. Aber es herrscht Übereinstimmung darin, dass es notwendig ist, über solche Dinge nachzudenken." Saudiarabien, der weltgrößte Öl-Exporteur, und weitere wichtige islamische Ölproduzenten wie der Iran haben wiederholt Aufrufe zu einem Ölembargo aus politischen Gründen zurückgewiesen. Händler erwarteten auch dieses Mal kein positives Echo. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris zeigte sich unbeeindruckt von den ICO-Überlegungen.

Nachdenken über Öl-Embargo als versteckte Drohung
Mahathir ging auf Gegenargumente zum Einsatz von Öl als Druckmittel ein und sagte: "Es ist etwas Gefährliches. Manche sagen, es wird eine Menge Auswirkungen haben, aber wenn wir nicht darüber nachdenken, werden wir es nicht schaffen, Einfluss auszuüben." Anfang der 70er Jahre hatten arabische Staaten ein Ölembargo gegen die Industrienationen verhängt, weil diese im Nahost-Konflikt Israel unterstützten. Die stark steigenden Ölpreise lösten schließlich eine wirtschaftliche Rezession aus. "Öl ist ein zweischneidiges Schwert", sagte Mahathir weiter. "... es schadet uns möglicherweise mehr als den anderen."

"Die großen Produzenten halten das nicht für angemessen und ziehen es vor, Politik und Öl nicht miteinander zu verknüpfen", sagte ein in den Golf-Staaten arbeitender Ölmarkt-Analyst. Weiter in die Höhe trieb den Ölpreis am Mittwoch eher die Angst vor einem baldigen Kriegsbeginn. "Der Markt erwartet einen Krieg eher früher als später", sagte ein Energie-Analyst der Deutschen Bank im australischen Melbourne. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent kostete 32,79 Dollar und damit rund 1,5 Prozent mehr als am Vortag. Händler fürchten schon länger, dass die Ölproduktion des Nahen Ostens, der 40 Prozent des weltweit gehandelten Öls liefert, in Folge eines Irak-Krieges nachlassen könnte, weswegen der Ölpreis auf lange nicht erreichter Höhe liegt.

Rumsfeld: Drei Lösungen zur Kriegsvermeidung
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sieht im Irak-Konflikt derzeit drei Lösungsmöglichkeiten. Entweder verlasse Präsident Saddam Hussein den Irak oder das Regime zeige volle Zusammenarbeit bei der Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen. Die dritte Möglichkeit sei Krieg, falls sich der Irak nicht entwaffnen lasse, sagte Rumsfeld in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit dem arabischen TV-Sender "Al Jazeera" (El Dschasira). Rumsfeld sprach erneut die Hoffnung auf eine "breite Koalition" aus. Den Irakern stellte er für den Fall von Saddams Rücktritt eine Aufhebung der nach der Invasion in Kuwait 1990 verhängten UN-Sanktionen gegen ihr Land in Aussicht.

Bis zu 100 Mrd. Dollar teurer Krieg
Die Kosten für einen möglichen Irak-Krieg sind nach amerikanischen Zeitungsberichten weit höher als von der Regierung bisher angegeben. Während das Pentagon und das Weiße Haus von Kosten in Höhe von 50 Milliarden Dollar ausgehen, schätzen Militärexperten die wahren Kosten auf bis zu 100 Milliarden Dollar. Diese Summe werde inzwischen dem Kongress vom Pentagon genannt, berichtete die "Los Angeles Times" am Mittwoch. Eingerechnet sind darin die Kosten für die militärische Eroberung des Irak und eine sechsmonatige Besetzung des Landes sowie Finanzhilfen für regionale Alliierte wie die Türkei.

26.2.2003 07:43