Ahold schockt Börsen mit Bilanzskandal
- Lebensmittelriese gibt "kreative Buchführung" bei Tochter zu
- Aktie im freien Fall, Absturz um bis zu 68 Prozent!

Ein Bilanzskandal hat den niederländischen Handelsriesen Ahold in Turbulenzen gestürzt. Das Unternehmen gab heute bekannt, dass bei einem US-Tochterunternehmen Foodservice die Einnahmen um eine halbe Milliarde Dollar aufgebläht wurden. Die Führungsspitze ist zurückgetreten. Vorstandschef Cees van der Hoeven und Finanzvorstand Michael Meurs würden den Konzern verlassen, erklärte der drittgrößte Lebensmittelhändler der Welt am Montag in Zaandam. Gleichzeitig gab das Unternehmen eine Gewinnwarnung aus.
Der Reingewinn des Geschäftsjahres 2002 werde damit deutlich niedriger ausfallen als erwartet, erklärte Ahold weiter. Bereits zwei Mal musste das Unternehmen, das im zweiten Quartal 2002 erstmals seit fast 30 Jahren in die roten Zahlen gerutscht war, im vergangenen Jahr die Gewinnerwartungen zurückschrauben. Ahold muss jetzt die Gewinne für 2001 und die ersten drei Quartale 2002 neu berechnen. Die Bekanntgabe der Ergebnisse von 2002, die eigentlich für den 5. März geplant war, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
An der Amsterdamer Börse stürzte die Ahold-Aktie heute zwischenzeitlich um 68 Prozent auf 3,08 Euro ab und zog in ganz Europa Einzelhandelswerte tiefer. Analysten sprachen von großer Nervosität am Markt. Die Nachrichten von Ahold hätten böse Erinnerungen an die Bilanzskandale der US-Konzerne Enron und WorldCom geweckt. "Heute sind bei Ahold rund fünf Milliarden Euro Marktkapitalisierung vernichtet worden", sagte ein Händler.
Der Buchhaltungsskandal soll beim US-Catering-Unternehmen Foodservice, das Ahold im Jahr 2000 gekauft hatte, bis ins Jahr 2001 und möglicherweise noch weiter zurück reichen. Foodservice habe mehr als eine halbe Milliarde Dollar zu viel an Einnahmen gemeldet, so Ahold. Einige Foodservice-Manager seien suspendiert worden.
Foodservice gilt in den USA als zweitgrößter Lebensmittellieferant für Restaurants, Hotels, Sozialeinrichtungen und Sportstätten. Ahold erzielt in den USA rund 60 Prozent seines Konzernumsatzes (weltweit 73 Mrd. Euro). Laut Analysten ist Ahold "im Grund ein amerikanisches Unternehmen, das fünftgrößte Supermarkt-Unternehmen der USA".
Ahold gab heute zudem bekannt, die Rechtmäßigkeit von Geschäften der argentinischen Tochtergesellschaft Disco zu untersuchen. Auch hier seien Unklarheiten mit der Buchhaltung aufgetaucht. Finanzielle Auswirkungen seien noch nicht absehbar. Wann die Bilanzuntersuchungen bei den Töchtern Foodservice und Disco abgeschlossen sein werden, sei derzeit noch offen, hieß es aus dem Konzern.
Die Führung des Ahold-Konzerns vorübergehend übernommen hat der Chef des Aufsichtsrates, Henny de Ruiter. "Meine Priorität wird es sein, das Geschäft zu stabilisieren und den Problemen auf den Grund zu gehen", sagte de Ruiter. "Ich bin nicht im Mindesten pessimistisch, was unsere Situation in einem Jahr angeht." Für den Ausgleich der entstandenen Finanzprobleme habe ein Bankenkonsortium einen Überbrückungskredit von 3,1 Mrd. Euro zugesagt. In einer Telefonkonferenz versicherte de Ruiter, dass Foodservice trotz des Skandals nicht verkauft werden solle.
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat auf die Hiobsbotschaften von Ahold prompt reagiert und das Kreditrating des Einzelhandelskonzerns von "BBB/A-2" auf "BB+/B" zurückgestuft. Das Langfristrating wurde auf die Beobachtungsliste mit negativer Implikation gesetzt. S&P begründete seine beiden Schritte mit dem schwachen Finanzprofil des Unternehmens und mit den Unsicherheiten hinsichtlich der Liquidität. Die Ratingagentur Moody's kündigte an, sie prüfe eine Herabstufung von Ahold bei der langfristigen Kreditwürdigkeit.
Cannes20:38
Haneke siegt in CannesAustro-Filmemacher gewinnt mit "Amour" den Hauptpreis bei den Filmfestspielen
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben
Grand Prix von Monaco20:40
Webber holt Monte CarloAustralier ist sechster Sieger im sechsten Rennen. Gerüchte um Vettel-Wechsel.

