Nach Sturm-Debakel: Kartnig geht auf Schilcher los!
- Manager soll sich nicht um neuen Goalie gekümmert haben
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Mit einem 0:5-Debakel für Sturm Graz endete am Sonntag das Derby gegen den GAK. Grund genug für Präsident Hannes Kartnig, wieder einmal eine seiner gefürchteten Attacken zu reiten. Im Visier waren diesmal aber weder Trainer noch Spieler, sondern Heinz Schilcher! Kartnig wirft dem Manager vor, sich in der Winterpause nicht um einen guten Tormann gekümmert zu haben. Hintergrund: Goalie Heinz Weber, der schon in der Vergangenheit durch Unsicherheiten aufgefallen war, verschuldete mit einem katastrophalen Blackout das 0:1.
Sturm Graz ist angetreten, um den zweiten Platz in der Bundesliga und damit einen Platz in der Champions League-Qualifikation zu holen. Der Auftakt allerdings endete in einer totalen Pleite und internen Schuldzuweisungen. Nach dem 0:5-Debakel gegen den GAK, der höchsten Derby-Niederlage seit 55 Jahren, ließ Klub-Präsident Hannes Kartnig seinem Frust freien Lauf und griff Manager Heinz Schilcher wegen der Transferpolitik an. Der GAK liebäugelte währenddessen wieder mit einem Platz im internationalen Geschäft.
Buhmann Weber
Das Debakel nahm schon in der neunten Minute seinen Lauf, als Sturm-Torhüter Heinz Weber den Ball nicht weg schlug, sondern ihn GAK-Torjäger Ronald Brunmayr servierte, der zur 1:0-Führung einschoss. Nicht der erste schwere Fehler von Weber. Daran erregte sich auch Kartnig.
Kartnig attackiert Schilcher
"Jeder, der vom Fußball eine Ahnung hat weiß, dass mit so einem Gegentor die Moral der Mannschaft weg ist. Ich habe immer wieder gesagt, dass wir einen Tormann brauchen. Manager Schilcher hätte einen Torhüter holen müssen. Dafür wäre Geld da gewesen. Konsequenzen kann es nicht geben, da die Manager alle abgesichert sind und Verträge auf viele Jahre hinaus haben", polterte der Sturm-Boss und nahm gleichzeitig Trainer Franco Foda aus der Verantwortung. Laut Kartnig hat Foda sogar schriftlich den Wunsch nach einem neuen Torhüter deponiert.
Schilcher wehrt sich
Schilcher sieht die Sache natürlich anders. "Ich bin nicht schuld an der 0:5-Niederlage. Wenn sich der Herr Präsident erinnert, dann war da eine Vorstandssitzung, an der auch er teilgenommen hat. Und dort wurde beschlossen, dass nur dann ein neuer Tormann kommt, wenn einer der beiden weg geht oder verkauft werden kann. Das Engagement eines neuen Tormanns scheiterte aus finanziellen Gründen", legte der Manager seine Sicht der Dinge dar.
Foda enttäuscht, aber gefasst
Während Präsident und Manager ihre Differenzen öffentlich austrugen, resümierte Foda zwar schwer enttäuscht, aber zurückhaltend. "Eine bittere Niederlage für den ganzen Verein, so etwas muss man erst einmal verarbeiten. Die ersten drei Tore resultierten aus individuellen Fehlern, die auf diesem Niveau einfach nicht passieren dürfen. Natürlich hat Weber den Fehler gemacht, aber trotzdem darf sich die Mannschaft nicht so gehen lassen. Ich werde jetzt zwei Nächte darüber schlafen, dann das Spiel genauer analysieren und jene Mannschaft finden, die gegen Bregenz spielen wird", so der Sturm-Trainer.
Sonnenschein beim GAK
Im Lager der Schwarz-Weißen herrscht also schon nach dem ersten Frühjahrsspiel dicke Luft, beim Stadtrivalen dagegen nach zwei Spielen, sechs Punkten und 9:1 Toren Zuversicht, die so miserabel begonnene Saison vielleicht doch noch positiv abzuschließen. Der Erfolg ist eng mit dem Namen Walter Schachner verbunden. Der von der Austria geschasste Trainer hatte die Grazer Athletiker am 9. Oktober als Schlusslicht übernommen und den im Sommer mit vielen Vorschusslorbeeren gestarteten Verein nun schon auf Rang vier geführt, nur noch vier Zähler hinter den zweitplatzierten Paschingern. Ein Eigenlob konnte sich Schachner da nicht verkneifen: "Wenn man bei vier Teams Erfolg hat, dann muss man schon was drauf haben".
Schachner spekuliert mit EC-Platz
Danach analysierte der Steirer nüchterner. "Das hätte ich mir nie erträumt, man gewinnt nicht jeden Tag gegen Sturm 5:0. Ich habe die Order ausgegeben, Weber immer zu attackieren und unter Druck zu setzen. Die kleinen Fehler, die heute noch passiert sind, werden wir hoffentlich im Laufe der Zeit ausbessern. Obwohl noch einige schwere Spiele auf uns zukommen, ist vielleicht ein Europacup-Platz möglich", so Schachner.
Lob kam auch vom Vereinspräsidenten. "Gratulation an Schachner und die Mannschaft. Der Derbysieger ist immer Chef in der Stadt. Wir haben die konsequente Vorbereitung und die Taktik gut umgesetzt. Wir sind auf einer guten Linie, jetzt müssen wir aber weiter punkten und dabei bleiben", sagte Rudi Roth.
Sturm Graz - GAK 0:5 (0:2)
Arnold-Schwarzenegger-Stadion, 7.391, Plautz.
Torfolge:
0:1 ( 9.) Brunmayr
0:2 (19.) Pötscher
0:3 (74.) Kollmann
0:4 (81.) Brunmayr
0:5 (91.) Naumoski
Sturm: Weber - Korsos, Strafner, Neukirchner, Bosnar (27. Amoah) - Masudi, Brzeczek, Wetl (64. Mählich), Dag - Szabics, Mujiri (46. Haas)
GAK: Schranz - Pötscher, Sick, Tokic, Dmitrovic - Ramusch (69. Standfest), Milinkovic (66. Ceh), Aufhauser, Amerhauser - Brunmayr, Kollmann (77. Naumoski)
Gelbe Karten: Bosnar bzw. Sick, Amerhauser
Die besten Spieler: Brzeczek bzw. Sick, Brunmayr, Kollmann
Derby-Bilanz (Meisterschaft seit 1949):
113 Spiele - 37 Siege Sturm, 38 Remis, 38 Siege GAK.
Tordifferenz: 155:150
