ÖSV-Adler: Nach WM-Schlappe folgen genaue Analysen
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Österreichs Skispringer mussten am Samstag ohne Medaille im Gepäck die Heimreise antreten. Als große Mannschaftsfavoriten und auch mit Chancen auf Einzelmedaillen waren die Schützlinge von Hannu Lepistö ins Val di Fiemme gekommen, doch die Ernüchterung war groß. Erstmals seit 1974 in Falun blieben die im Weltcup so erfolgsverwöhnten ÖSV-Springer ohne WM-Medaille, nach den Olympischen Spielen im Vorjahr in Salt Lake City war es das zweite Großereignis hintereinander ohne Platz auf dem Siegespodest.
Toni Innauer, der seit diesen Titelkämpfen betont, Kommentare nur noch in seiner Funktion als Rennsportdirektor abgeben zu wollen, begründete den Form-Einbruch ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt einerseits mit zu hohen Erwartungen, andererseits mit einem sich ins Gegenteil verkehrten Materialvorteil. "Sie wurden aber hier deutlich unter ihrem Wert geschlagen. Während der Saison ist eine Situation entstanden, wo sie zu überlegen waren, das hat die anderen Nationen rebellisch gemacht."
Materialvorteil schlug ins Gegenteil um
Noch während der WM habe man auf anderes Material (vom deutschen Erzeuger Meininger-Anm.) umsteigen wollen, doch durch die Überlegenheit in der laufenden Weltcupsaison habe man Meininger verärgert und z.B. im Gegensatz zu Roberto Cecon (ITA) keinen neuen Stoff mehr bekommen. Außerdem habe sich die FIS bei der Reglement-Interpretation der neuen Anzüge der Polen und Finnen "konziliant" gezeigt. "Frechheit hat gesiegt. Ich habe nicht geglaubt, dass noch mehr geht, weil unsere Anzüge zuvor schon an der Grenze waren."
Keine Vorwürfe an WM-Neulinge
Die Ursachen für den WM-Absturz allerdings nur darin zu suchen, wäre sicher zu einfach. Das hat Cheftrainer Hannu Lepistö auch klar gemacht. Die deutsche Firma Meininger hätte bzw. hat bei einem Materialvorteil sicher auch Sven Hannawald und Co. an erster Stelle ausgestattet, doch Hannawald gehört wie das ÖSV-Team zu den negativen Überraschungen dieser WM. Wobei gesagt werden muss, dass der Vorwurf nicht in Richtung der jungen Springer gehen kann. Florian Liegl, Christian Nagiller, Andreas Kofler und Thomas Morgenstern bestritten ihre erste WM und man war sich schon vorher eines gewissen Risikos bewusst.
Der Druck einer WM
Die für die Youngsters neue Krisensituation war eine bisher nicht erlebte Belastung. "Sie sind zwar schon vor 50.000 oder 100.000 Leuten in Zakopane runtergehüpft, aber es ist etwas anderes, als wenn du bei einer WM bist", bestätigte auch der dreifache Kombi-Medaillengewinner Felix Gottwald, der mit den Springer mitlitt. "Wenn der erste Wettkampf nicht so gut angeht, dann ist das immer 'zach' bei einer Großveranstaltung", sagte der Salzburger. Gottwald verglich die Situation mit Golf: "Es ist wie wenn du die Kugel auf einmal nicht mehr triffst. Bis du drauf kommst, dass du nur auf den Ball draufhauen musst, und nicht dem Ball eine Geschichte erzählen musst. Im Skispringen kann man sich schon was vornehmen, aber entscheidend ist, dass du oben wegfährst und es laufen lasst."
Warum wurde Widhölzl aussortiert?
Und die Ursachen sind wohl auch im mentalen Bereich zu suchen wie auch Lepistö bestätigt. Und das ein "alter Hase" wie Andreas Widhölzl, der im Gesamt-Weltcup Zweiter ist, vorzeitig abreisen muss, bedarf wohl einer eigenen Analyse. Rennsportdirektor Innauer: "Das sollen die Trainer kommentieren. Aber es ist schade, weil er Potenzial hat wie Malysz und es nicht gelingt, das bei Großveranstaltungen auszuspielen."
Malysz war zum richtigen Zeitpunkt voll da
Doch so wie die ÖSV-Kombinierer nach einer gar nicht dominierenden Weltcupsaison punktuell richtig da waren, ging es den Springern genau umgekehrt. Und die "Programmierung" von Doppel-Weltmeister Adam Malysz ergab ebenfalls eine Punktlandung. "Keinen Weltcup zu gewinnen und dann so zu springen, das ist fast unerklärlich. Aber die fast noch größere Überraschung ist für mich Tommy Ingebrigtsen", meinte Innauer. In einer Woche geht es am Holmenkollen im Weltcup weiter, und irgendwie würde es gar nicht verwundern, wenn Widhölzl und Co. wieder ganz vorne mitspringen.
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