Dienstag, 25. Februar 2003

Gottwald nach WM-Titel "noch nicht am Zenit"

  • "Gold muss immer eine Sensation bleiben"
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Mit 27 Jahren hat er eines seiner großen Ziele erreicht. Felix Gottwald lief als Schlussläufer der österreichischen Kombinierer-Mannschaft zur erträumten Goldmedaille - gemeinsam mit Michael Gruber, Willi Denifl und Christoph Bieler hat ein Team wie aus dem Bilderbuch den Weltmeister-Titel geholt. Natürlich waren wie bei jeder großen Karriere auch einige Tiefpunkte zu überwinden, aus denen Gottwald viel lernen konnte. Nun hat der sympathische Salzburger nach dem Gesamt-Weltcup 2000/01 auch den ersten großen Titel in der Tasche.

"Es ist ein Wahnsinnsgefühl, als Erster für die Mannschaft über die Ziellinie zu fahren und es war für mich auch eine Ehre, dass ich die Verantwortung übernommen habe. Ich habe mich gefreut auf das Duell mit dem Ronny Ackermann", freute sich Gottwald über sein erstes Gold. Nach Silber im Einzel war es bereits seine fünfte WM-Medaille neben drei Mal Olympia-Bronze. Solch große Momente lassen einen auch gerne auf die Anfänge zurück blicken.

Einem Sportlehrer in Saalfelden namens Ernst Wieshofer ist es zu verdanken, dass sich der kleine Felix für das Kombinieren entschieden hat. "Ich war im Ausdauerbereich immer schon gut und mein damaliger Turnprofessor hat gesagt, ich soll kombinieren probieren. Ich wollte eigentlich Skispringen anfangen, weil das haben's in Saalfelden getan", erinnert sich der frisch gebackene Weltmeister, der erst im Alter von 13 seinen ersten Sprung von einer Schanze gemacht hat. Gottwald hat seine Entscheidung nie bereut. "Springen allein wär' mir zu langweilig, Langlaufen allein auch zu eintönig, aber die Mischung, die macht's aus."

Es war im Dezember 1992, also rund 22 Monate nach dem historischen Kombinierer-Team-Gold von Klaus Sulzenbacher und Co. im Val di Fiemme, als Gottwald dann seinen ersten Weltcup-Bewerb bestritt. Der Weg zum Weltmeistertitel war mit vielen Erfolgen, aber auch Rückschlägen gepflastert. "Wir haben reif werden müssen, haben auch viel Lehrgeld gezahlt. Man muss einfach immer dazulernen und am Boden bleiben. Und wenn du geduldig weiter arbeitest, dann gibt es das gar nicht, dass sich der Erfolg nicht früher oder später einstellt."

Einen dieser Rückschläge musste der Salzburger bei der Heim-WM in der Ramsau verdauen. Als Medaillenkandidat war er im Ziel völlig verausgabt kollabiert. Doch gerade aus solchen Erlebnissen hat er am meisten gelernt, wie er sagt. "In meiner Karriere ist die Ramsau ein unwegdenkbares Erlebnis. Das hat mir hier geholfen, das hat mir in Salt Lake und bei so vielen Rennen geholfen, was ich dort mitgemacht habe."

Je länger die Karriere des Felix Gottwald dauerte, destö öfter kam die Frage nach Gold. "Gold muss immer eine Sensation bleiben. Es kann nicht sein, dass wir hierher fahren und es ist normal, dass wir Gold gewinnen. Für uns war das ein unglaublicher Tag." Doch das Glück des Vorzeige-Athleten aus Zell am See hängt nicht vom sportlichen Erfolg ab. "Gesundheit und Zufriedenheit - auf diesen zwei Säulen kann man alles aufbauen. Egal in welchem Bereich. Wenn du diese zwei Sachen hast, dann bist du der reichste Mensch der Welt, mehr brauchst nicht."

Gottwald fühlt sich sportlich "noch nicht am Zenit". Im Springen gibt es noch Reserven, aber auch im Langlauf ist noch einiges möglich. Auch wenn er jetzt in der Loipe nicht mehr die großen "Quantensprünge" erwartet. Den Zeitpunkt für das Ende seiner Karriere kennt Felix noch nicht. "So lange mir das Kombinieren so viel Spaß macht, werde ich sicher weiter machen. Ich bin auch keiner, der weit nach vorne plant. Wir haben schon noch einiges offen - jetzt sind wir Weltmeister, da geht noch was ab." 2005 sind die nächsten Weltmeisterschaften in Oberstdorf, ein Jahr darauf die Olympischen Spiele. "Ich habe schon in Salt Lake gesagt, dass vielleicht die drei Bronzemedaillen gut waren, damit ich noch vier Jahre weiter mache."

25.2.2003 12:29