Montag, 24. Februar 2003

ÖSV-Adler rätseln nach Großschanzenbewerben

  • Lepistö: "Habe letzte Nacht nicht viel geschlafen"
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"Es ist schon eigenartig, dass man als dominierende Mannschaft der Saison bei der WM ohne Medaille dasteht", wunderte sich auch Toni Innauer noch am Sonntagabend. Der Nordische Direktor für Skispringen und Kombination stellt sich bei diesen Titelkämpfen im Val di Fiemme den WM-Reportern mit zwei Mienen: Freudiges Lächeln in Bezug auf die Kombinierer, Sorgenfalten betreffend die Springer.

Ein achter Rang durch Florian Liegl im Einzelbewerb, Platz fünf mit der Mannschaft - jeweils von der eigentlich den Österreichern besser liegenden Großschanze - ist Grund genug für ausführliche Analysen. "Der Materialvorsprung, den wir mühsam herausgeholt haben, ist durch den Einsatz aller Mittel egalisiert worden", meinte Innauer, der sich natürlich den Vorwurf gefallen lassen muss, dass das Timing in Bezug auf Großereignisse zuletzt nicht gestimmt hat. Bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City hatte sein Team das Minimalziel von einer Medaille verpasst, nun droht unter seinem Nachfolger Hannu Lepistö das gleiche. Es müsste wohl ein Wunder passieren, dass sich an den neuen Kräfteverhältnissen zumindest im Fleimstal für den Bewerb von der Normalschanze noch etwas ändert. Erstmals seit den Weltmeisterschaften 1974 in Falun könnten die ÖSV-Adler ohne WM-Medaille nach Hause kommen.

Rückenwind in Predazzo "traditionell"
Mögliche Gründe für die unerfreuliche Trendumkehr gibt es freilich viele. Bei der WM-Vorbereitung der ÖSV-Adler herrschte auf dem Bergisel immer nur Aufwind, in Predazzo ist Rückenwind nahezu "traditionell". Die ebenfalls geplanten Trainingseinheiten auf der Schanze in Seefeld, die gewisse Ähnlichkeiten mit dem WM-Bakken hat, waren gestrichen worden. Das Argument, dass sich Weltmeister Adam Malysz in der Ramsau vorbereitet hat, wurde entkräftet. Für die Olympischen Spiele war der letzte Feinschliff am WM-Ort 1999 erfolgt.

Japaner schafften Steigerung
Besonders rätselhaft ist das plötzliche Erstarken der Japaner. Bis zur WM-Generalprobe in Willingen hatte Hideharu Miyahira beim Heimspringen in Hakuba für den einzigen Stockerlplatz (Rang drei) der Saison für die Asiaten gesorgt. Beim wohl irregulären zweiten Springen in Willingen, dass vom Wind so stark beeinträchtigt war, dass Vortags-Sieger Hannawald und der Zweite Florian Liegl am Sonntag gar nicht unter den Top 30 waren, dürfte der Knoten geplatzt sein. Noriaki Kasai holte seinen ersten Weltcupsieg in dieser Saison vor Miyahira, danach trainierten die Japaner gar nicht mehr. Allein der mentale Aufschwung im Team von Hirokazu Yagi hat da einiges bewirkt. "Man gewinnt einfach nicht nur mit Glück allein. Das kann man nach Windspringen eigentlich immer sagen", bestätigte Renndirektor Walter Hofer diesen Trend.

Ist das Material schuld?
In Sachen Anzüge könnte sich der Materialvorteil plötzlich zum Nachteil verwandelt haben. Bei der Feinabstimmung des Arbeitsgeräts auf die Rückenwind-Schanze von Predazzo hat man sich vielleicht zu sehr auf die vergangenen Ergebnisse verlassen. "Unsere Materialabstimmung geht mehr auf Geschwindigkeit und weniger auf Höhengewinn. Aber wenn man hier die Höhe nicht erreicht, dann fehlen am Schluss die Meter", meinte auch Florian Liegl. "Wir springen ja nicht anders als sonst."

Schadensbegrenzung auf Normalschanze
Wie man es auch dreht und wendet, das Resultat ist nun einmal Tatsache. "Ich habe letzte Nacht nicht viel geschlafen. Ich habe mich immer wieder gefragt: Wie war das möglich? War ich mir zu sicher?", meinte der an sich erfolgsverwöhnte Cheftrainer Hannu Lepistö. Der Finne sieht eine Ursache vielleicht in der Reaktion auf den ersten Bewerb. "Mein Motto ist eigentlich: Es ist nicht so wichtig, was passiert, es ist wichtiger, wie man auf etwas reagiert", erklärte der 56-Jährige. Die Reaktion habe es teilweise eher noch verschlimmert, und dass ein unerfahrener WM-Debütant wie Florian Liegl, wenn es erstmals abwärts geht, nervös wird, ist ja nur verständlich. Lepistö und Co. haben jedenfalls bis zum letzten WM-Bewerb am Freitag noch viel zu tun, um den Schaden möglichst zu begrenzen. Das Team wird übrigens den WM-Schauplatz nicht verlassen, sondern ganz normal an den Trainingseinheiten teilnehmen.

24.2.2003 14:34