Roy Jones Jr. boxt sich in die Geschichtsbücher!
- Nach Sieg über Ruiz nun auch Schwergewichts-Champ

Roy Jones Jr. hat sich in die Geschichtsbücher geboxt. Als zweiter Faustkämpfer nach dem Engländer Bob Fitzsimmons vor 106 Jahren vollbrachte der 34-jährige US-Boy in der Nacht zum Sonntag das Kunststück, sich mit Weltmeister-Ehren vom Mittel- bis zum Schwergewicht zu schmücken. Der 87,5 Kilogramm wiegende Halbschwergewichts-Champ nach Version WBC, WBA, IBF entthronte im Thomas & Mack Center von Las Vegas seinen Landsmann und Titelverteidiger der World Boxing Association, John Ruiz (31), über zwölf Runden einstimmig und klar (116:112,117:111,118:110) nach Punkten.
Bei seinem Ausflug ins Schwergewicht bestätigte Jones Jr. vor 15.300 Zuschauern eindrucksvoll, dass er zu Recht als bester "Pound-for-Pound-Boxer" gilt. Er war als 9:5-Favorit in den Kampf David gegen Goliath gegangen und bestimmte das Duell gegen den um 15 Kilogramm schwereren, acht Zentimeter größeren (Reichweitenvorteil 14 cm) Titelverteidiger dank seiner Schnelligkeit und Schlagvariabilität. Der zu zögerlich agierende Ruiz, für den es die dritte Titelverteidigung war, vermochte seinen Gegner mit seiner gefürchteten Rechten einfach nicht entsprechend zu treffen.
Jones schrieb Geschichte
Im Gegenteil: Den besten Schlag des Zwölfrunden-Kampfes brachte Jones, der seine linken Jabs wirkungsvoll einsetzte, mit einer Rechten auf die Nase seines Gegners Ende der vierten Runde an, die Ruiz gewaltig durchrüttelte. "Ich wollte für meine Fans Geschichte schreiben, so etwas wie heute wollen sie sehen", sagte Jones nach seinem Triumph, der ihm neben der WBA-Krone auch noch zehn Millionen Dollar und 60 Prozent der Einnahmen aus der Pay-Per-View-Übertragung bescherte. Sein Gegner kassierte seine fünfte Niederlage bei 38 Siegen und einem Remis und nur 40 Prozent der Einnahmen.
Erst eine Niederlage
Jones Jr. ist nach Michael Spinks (1985 gegen Larry Holmes) der zweite Halbschwergewichtler, der sich in der Königsklasse die WM-Krone sicherte. Zu Fitzsimmons Zeiten (1897) gab es dieses Gewichtslimit noch nicht. 48 Siege (davon 38 durch k.o.) hat der Champ nun auf seiner Kampfkarte, seine einzige Niederlage erlitt er durch eine umstrittene Disqualifikation im März 1997 gegen Montell Griffin, den er drei Monate später im Revanchekampf in der ersten Runde k.o. schlug.
Fight gegen Lewis kein Thema
Wie es mit dem Junior im Schwergewicht weitergeht, ist derzeit noch offen. Möglicherweise kommt es zu einem Titelkampf gegen IBF-Champion Chris Byrd. Ein Fight gegen WBC-Weltmeister Lennox Lewis ist (derzeit) wohl kein Thema. Einerseits will der Engländer gegen Mike Tyson antreten, anderseits müsste er gegen den Ukrainer Witalij Klitschko seinen Titel verteidigen. Lewis, der als TV-Co-Kommentator am Samstag in Las Vegas weilte, könnte sich zwar ein Duell vorstellen, "falls das Geld stimmt", glaubt aber doch, dass Roy Jones "noch nicht gegen mich antreten möchte". Dieser sei aber in der Lage, etliche Schwergewichtler zu schlagen.
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