Sonntag, 2. März 2003

Zugausfälle und Verspätungen durch Streiks bei Bahn

  • Deutschland: Weitere Aktionen bis Donnerstag

Im Tarifstreit bei der Bahn haben erste Warnstreiks am Samstag zu Zugausfällen und Verspätungen im Reiseverkehr geführt. In Köln und Dortmund verhinderten rund 140 Bedienstete die Bereitstellung von mehr als 30 Zügen. Dadurch kam es vor allem im Nahverkehr zu Verspätungen und Zugstreichungen. Aber auch Fernstrecken wie etwa die ICE-Verbindung Köln-Frankfurt/Main waren nach Angaben der Gewerkschaft Transnet von bis zu 20-minütigen Verspätungen betroffen.

Die Warnstreikaktionen sollen am Montag nach Angaben von Transnet-Sprecher Michael Klein in ähnlichem Umfang fortgeführt werden, "allerdings nicht in den Karnevalshochburgen".

Warnstreiks bis Donnerstag
Nach Gewerkschaftsangaben sind bis zur nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag Warnstreiks in Norddeutschland, Bayern und in den neuen Ländern geplant. Die jeweiligen Orte wollte die Gewerkschaft vorab nicht mitteilen. Presseberichten zufolge sind die Aktionen jeweils auf eine Dauer von bis zu zwei Stunden begrenzt. Sie würden von Lokführern, Zugbegleitern, Reiseberatern und Stellwerk-Mitarbeitern unterstützt. Die Bahn AG gibt unter der kostenlosen Telefon-Nummer 0800-6644225 Auskunft, auf welchen Strecken es wegen Warnstreiks zu Behinderungen kommt. Allein am Samstag hatten 12.000 Reisende diesen Service genutzt.

Druck auf Tarifverhandlungen
Transnet und die Gewerkschaft der Deutschen Bahnbeamten und Anwärter (GDBA) wollen mit den Streiks Druck in den Tarifverhandlungen machen, die am vergangenen Mittwoch erneut ergebnislos vertagt worden waren. Transnet-Chef Norbert Hansen und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann erklärten, die Protestbereitschaft der Mitarbeiter sei "ausgesprochen groß". Die Arbeitgeberseite sei "gut beraten, endlich ein konkretes Angebot vorzulegen". Die Gewerkschaften fordern unter anderem fünf Prozent höhere Einkommen und die volle Angleichung der Ost-Gehälter an das West-Niveau.

Deutsche Bahn übt Kritik
Die Deutsche Bahn AG kritisierte die Warnstreiks und bedauerte die Behinderungen der Bahnkunden. Es sei unverständlich, dass die Gewerkschaften in Warnstreiks getreten seien, obwohl die Arbeitgeber signalisiert hätten, am Donnerstag ein konkretes Angebot vorlegen zu wollen, erklärte Bahn-Personalvorstand Norbert Bensel am Samstag in Berlin. Gewerkschaftschef Hansen bezeichnete dies dagegen als Verschleierung von Tatsachen. "Wir müssen uns fragen, was die Arbeitgeber an den Verhandlungsterminen seit dem 29. Januar vorhatten, wenn erst Anfang März ernsthaft diskutiert werden soll", erklärte Hansen.

2.3.2003 11:19