Irak berichtet von VX- und Anthrax-Fund
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Der Irak hat nach eigenen Angaben den Verbleib von bisher unentdeckten Beständen chemischer und biologischer Kampfstoffe aufgeklärt. Neue Recherchen hätten dazu geführt, dass vermisste große Mengen des Milzbranderregers Anthrax sowie des Nervengases VX aufgespürt worden seien. So seien Bomben mit Anthrax entdeckt worden. An anderer Stelle hätten sich Hinweise auf die Vernichtung von 1,5 Tonnen VX gefunden.
Der Irak hat am Sonntagmorgen mit der Zerstörung von weiteren sechs der umstrittenen Kurzstreckenraketen des Typs Al Samud 2 begonnen. Die Verschrottung der Raketen sei nahe Bagdad unter Aufsicht der Vereinten Nationen erfolgt, wurde von irakischer Seite offiziell mitgeteilt.
Irak stellt Raketenzerstörung unter Vorbehalt
Der Irak hat die Fortsetzung der gerade erst am Wochenende begonnenen Zerstörung von Kurzstreckenraketen unter Vorbehalt gestellt. Der Irak könnte die Zerstörung der Al-Samud-2-Raketen stoppen, falls die USA einen Angriff signalisieren sollten, sagte Präsidentenberater Amir al Saadi auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Bagdad. Außerdem meldete Al Saadi den Fund bisher verschollener biologischer Kampfstoffe.
"Wenn es sich in einer frühen Phase in diesem Monat herausstellt, dass Amerika nicht einen rechtmäßigen Weg geht, warum sollten wir dann (mit der Zerstörung der Raketen) fortfahren?", fragte Al Saadi. Gleichzeitig bestätigte er die Vernichtung von weiteren Al-Samud-Raketen am Sonntag. Vier Raketen wurden am Samstag, sechs weitere am Sonntag in einer militärtechnischen Anlage in Al Taji, 30 Kilometer nördlich von Bagdad, verschrottet. "Wie Sie sehen, gibt es von der irakischen Seite pro-aktive Zusammenarbeit", sagte Al Saadi unter Hinweis auf die begonnene Raketenverschrottung und andere eingeleitete Schritte.
Die von der UNO reklamierten, bisher verschollenen Bomben mit biologischen Kampfstoffen würden von irakischen Trupps zur Zeit ausgegraben, acht seien bisher intakt geborgen worden, sagte Al Saadi. 157 Bomben vom Typ R-400 enthielten entweder Milzbranderreger (Anthrax), Aflatoxin (Pilzgifte) oder das Gift Botulin. UNO-Inspektoren hätten am Sonntag Proben von den Bomben genommen, um die Zusammensetzung zu überprüfen. Saadi sagte, ferner seien bisher 1,5 Tonnen des Nervengases VX zerstört worden. "Wir glauben, dass wir (die Vernichtung) nachweisen können", meinte Al Saadi, "und die UNMOVIC kann es nachprüfen, sogar mit noch moderneren Analysemethoden."
Im Sommer 1991 vernichtete der Irak nach eigener Behauptung einseitig große Mengen an chemischen und biologischen Waffen, darunter 1,5 Tonnen des Nervengifts VX und 3,5 Tonnen Anthrax-Nährlösungen. Die Vorgänge waren nicht dokumentiert worden - die bloße Existenz dieser Waffenprogramme sollte vor der UNMOVIC-Vorgängermission UNSCOM vertuscht werden. Bagdad will nun die Entsorgungsstätten freilegen. Auf einer Halde in Al Aziziya (100 Kilometer südlich von Bagdad), wo derzeit unter UNMOVIC-Beobachtung gegraben wird, sollen die Überreste von rund 150 zerstörten Flugzeugbomben ruhen, die mit Anthrax- und Botulinum-Erregern gefüllt waren.
Mit dem Beginn der Al-Samud-Verschrottung war der Irak einer Aufforderung von UNMOVIC-Chef Blix gefolgt, bis zum 1. März mit der Vernichtung solcher Raketen zu beginnen, deren Reichweite die erlaubten 150 Kilometer übersteigt. Insgesamt muss der Irak mehr als 100 Raketen sowie sämtliche Komponenten, Triebwerke, Gusskammern, Treibstoffe, Baupläne und Software-Dokumente vernichten. Irakische Regierungsvertreter hatten die Entscheidung zunächst als "ungerecht" bezeichnet. Die internationale Gemeinschaft betrachtete jedoch ihre Befolgung als Nagelprobe für die Abrüstungsbereitschaft des Iraks.
Britische "Schutzschilde" brechen Zelte ab
Aus Sorge um ihre Sicherheit haben britische Friedensaktivisten den Irak verlassen. Rund ein Dutzend Personen hätten sich aus Angst oder finanziellen Gründen auf den Heimweg gemacht, sagte Christiaan Briggs, Sprecher der Gruppe Human Shield Action Iraq, am Sonntag der britischen Nachrichtenagentur PA. Die Aktivisten wollten als so genannte menschliche Schutzschilde verschiedene irakische Einrichtungen vor Angriffen schützen.
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