Samstag, 1. März 2003

Rio bereitet sich mit Militär auf Karneval vor

  • 3.000 Elitesoldaten und 27.000 Polizisten auf den Straßen

Nach fünf Tagen blutigem Drogen-Mafia-Terror bereitet sich Rio de Janeiro mit Militär-Hilfe auf den Höhepunkt des Karnevals vor. Zusammen mit Tausenden von verkleideten Kindern und Erwachsenen gingen am Samstag auch 3.000 Elitesoldaten auf die Straßen der brasilianischen Metropole. Sie sollten rund 27.000 Polizisten bei der Bewahrung der Ruhe unterstützen.

Das ist der erste Militäreinsatz im Karneval überhaupt. Ähnliche Aktionen hatte es zuvor nur bei Wahlen gegeben. Vor den berühmten Karnevalsparaden in den Nächten zu Montag und Dienstag wurden in Rio viele Straßenumzüge veranstaltet. Medienberichten zufolge wurden am Samstag erstmals seit dem vergangenen Montag in der ganzen Stadt keine nennenswerten Gewaltaktionen registriert.

In der brasilianischen Karnevalshochburg waren seit Montag 50 Busse in Brand gesetzt und mehrere Supermärkte geplündert worden. In Nobelvierteln wie Ipanema und Copacabana explodierten Sprengsätze, während Banden von Drogenhändlern auf den wichtigsten Schnellstraßen der Stadt Autofahrer überfielen. Bei den Unruhen starben bisher acht Zivilisten, darunter fünf mutmaßliche Drogenhändler.

Brutale Drogen-Mafia
Nach Erkenntnissen der Behörden steckt die Drogen-Mafia hinter den Anschlägen. Die Polizei besetzte im Kampf gegen den Terror mindestens 15 Armenviertel, in denen Drogenbanden ihre Hauptsitze haben. Mindestens 50 Menschen wurden festgenommen. Der gefürchtete Drogenbaron Fernandinho Beira-Mar wurde von einem Gefängnis in Rio in eine Hochsicherheitsanstalt im Land Sao Paulo verlegt. "Die Demokratie ist wegen der Ereignisse von Rio in Gefahr", warnte der nationale Sicherheitsbeauftragte Luiz Eduardo Soares.

Nach Angaben der Tourismusbehörde Riotur hielten sich am Samstag bereits 400.000 Besucher in der Stadt auf. Etwa die Hälfte sei aus dem Ausland gekommen, vor allem aus den USA, Deutschland, Italien, Großbritannien und Australien. Unter den Touristen sind auch die Millionenerbin Athina Onassis und die französische Schauspielerin Isabelle Huppert.

Die Zentralregierung teilte derweil in Brasilia mit, sie habe den Landesbehörden insgesamt neun Millionen Kondome zur Gratisverteilung unter den Karnevalsteilnehmern gegeben. Das seien mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Außerdem gibt es anlässlich des Karnevals mehrere Aktionen zur Verhinderung der Kinderprostitution.

1.3.2003 20:01