Samstag, 1. März 2003

WHO verabschiedet Anti-Tabak-Konvention

  • Nach mehr als zwei Jahren - Kompromiss bei Werbeverbot

Nach zweieinhalb Jahren zähen Ringens hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Anti-Tabak-Konvention zum weltweiten Kampf gegen das Rauchen verabschiedet. Die 192 Mitgliedstaaten räumten in der Nacht auf Samstag in Genf die letzten strittigen Punkte aus. Der brasilianische Botschafter Luis Felipe da Saixa Correa, der die Verhandlungen geleitet hatte, sprach von einem "historischen" Ergebnis.

In dem Text verpflichten sich die Mitgliedstaaten zu zahlreichen Maßnahmen, die die Zahl der durch Tabakkonsum verursachten Todesfälle reduzieren sollen. Darunter sind Werbeverbote, Gesundheitshinweise auf Zigarettenverpackungen, Verkaufsverbote an Minderjährige und der Kampf gegen den Zigarettenschmuggel.

Heftig umstritten waren bis zum Schluss das Werbeverbot für Tabak und die Verantwortung der Industrie für die Folgen des Rauchens. Bei der Werbung einigten sich die WHO-Staaten auf einen Kompromiss: Alle Beteiligten sollten in Übereinstimmung mit ihrer Verfassung ein vollständiges Werbeverbot für Tabak durchsetzen. Länder, deren Verfassung einen solchen Schritt verbietet, sollen die Werbung für Tabakprodukte einschränken. Im Oktober hatten sich etwa hundert Staaten - vor allem aus Afrika, Südostasien und Europa - für ein vollständiges Verbot ausgesprochen.

Ihr Anliegen war jedoch von einigen anderen Ländern wie Deutschland vehement abgelehnt worden. Bei der Frage nach der Verantwortung der Industrie für Folgeschäden des Rauchens bleibt die Konvention vage. Dies sei "ein wichtiger Aspekt im Kampf gegen das Rauchen", heißt es. Wie die einzelnen Länder mit diesem Thema umgehen, liegt weiter in ihrem eigenen Ermessen.

Die WHO hatte im Herbst 2000 die Verhandlungen über die Anti-Tabak-Konvention aufgenommen. Die UNO-Organisation hatte wiederholt erschreckende Entwicklungen in der weltweiten Ausbreitung des Tabakkonsums angeprangert: Allein im vergangenen Jahr starben demnach rund 4,9 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Nach UNO-Schätzungen könnte sich die Zahl der Opfer bis zum Jahr 2020 auf jährlich zehn Millionen Menschen verdoppeln. Rund 80 Prozent der Raucher leben laut WHO in Entwicklungsländern; am stärksten steigt der Konsum in Schwellenländern.

Die Konvention soll auf der Jahreskonferenz der Weltgesundheitsorganisation vom 19. bis 28. Mai in Genf präsentiert werden. Danach wird sie zur Unterzeichnung und Ratifizierung freigegeben. Das Abkommen tritt in Kraft, sobald 40 Mitgliedstaaten es ratifiziert haben.

1.3.2003 11:08