Ariel Sharon wird 75
- Ein kontroverser Rechter mit Großvater-Image
- "König von Israel" gilt in den Arabern als Kriegsverbrecher
Ariel Sharon, der heute75 Jahre alt wird, steht nach seinem Wahlerfolg Ende Jänner auf dem Zenit seiner politischen Karriere. Doch obwohl der rechtsgerichtete Ex-General nicht zuletzt wegen seines Alters in Israel fast ein "großväterliches" Image besitzt, gehört er weltweit nach wie vor zu den umstrittensten Politikern.
"Der König von Israel" ist er für seine vielen Verehrer unter seinen Landsleuten, der "Araberschlächter" für seine Gegner und Feinde in der arabischen Welt. Der Mann, der nach dem Urteil einer Kommission des Obersten Gerichtshofes als Verteidigungsminister zurücktreten musste, wurde vor zwei Jahren fast mit Zweidrittelmehrheit direkt zum Regierungschef gewählt.
Der 1928 als Ariel Scheinerman in Israel geborene Sharon verkörpert für die meisten Israelis nach wie vor die alten zionistischen Werte: Er ist der Hasardeur und Kriegsheld, der 1973 während des Yom-Kippur-Krieges seine Soldaten auf eigene Faust über den Suez-Kanal führte. Viele feiern ihn dafür noch heute als "Retter Israels". Sharon ist der Mann, der wie kaum ein anderer den völkerrechtswidrigen Siedlungsbau in den 1967 besetzten Gebieten förderte, aber auch derjenige, der 1982 jüdische Siedlungen auf dem Sinai bei der Umsetzung des Separatfriedens von Camp David mit Ägypten evakuieren ließ.
Sharon, der 1953 als Kommandant der berüchtigten Sondereinheit 101 in dem Dorf Hibiye in Jordanien 66 Zivilisten tötete und später auch im besetzten Gaza-Streifen rücksichtslos gegen Palästinenser vorging, hat sich damit frühzeitig bei Israelis und im Ausland den Ruf eines "Araberfressers" erworben. Gewaltanwendung zur Durchsetzung politischer Absichten zieht sich durch seine militärische und (seit 1974) politische Karriere, die jedoch entscheidend von seiner als verhängnisvoll betrachteten Rolle im Libanon-Krieg geprägt wurde.
Als Verteidigungsminister befahl Sharon 1982 den Einmarsch in das nördliche Nachbarland. Später gab ihm eine Kommission des israelischen Obersten Gerichtshofes die Mitverantwortung für das Massaker in den Beiruter palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila, das von Israel unterstützte christliche Milizen im September 1982 unter den Augen israelischer Soldaten an über 1.500 Palästinensern verübten. Später äußerte er öffentlich Bedauern darüber, dass Israel den Palästinenserführer Yasser Arafat nicht während des Libanon-Krieges in Beirut "liquidiert" habe. Überlebende der Massaker haben zuletzt erreicht, dass Sharon nach dem Ende seiner Amtszeit in Belgien der Prozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemacht werden kann.
Seine politische Karriere wurde durch den Libanon-Feldzug damit nur verzögert. Er tauchte auch danach immer wieder in Koalitionsregierungen als Minister auf und baute im rechtsgerichteten Likud systematisch eine Machtbasis auf.
Sein triumphaler Sprung an die Spitze von Partei und Regierung gelang erst nach dem tiefen Sturz seines Erzrivalen Benjamin Netanyahu 1999 und von dessen Nachfolger von der Arbeiterpartei, Ehud Barak, im Februar 2001. Sein Wahlsieg vom 18. Jänner war ein zweifacher Triumph: Er schaffte es erstmals, als amtierender Premier wieder gewählt zu werden und gleichzeitig seine Partei zur deutlich stärksten Fraktion in der Knesset zu machen. Und dies, obwohl er keines seiner Wahlversprechen einlösen konnte.
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben
