Montag, 24. Februar 2003

Serbischer Ultranationalist Seselj stellt sich UN-Tribunal

  • Mit Linienflug aus Belgrad in Amsterdam gelandet

Der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj (49) hat sich am Montag freiwillig dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt. Nach seiner Ankunft in den Niederlanden wurde er von der Polizei ins UNO-Gefängnis in Scheveningen überstellt. Der überzeugte Verfechter der "großserbischen Idee" wurde vom UNO-Tribunal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstöße gegen das Kriegsrecht in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina angeklagt.

Zwischen 1991 und 1993 (als er offiziell mit dem ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic brach, Anm.) soll er laut Anklage Verbrechen geplant, befohlen, angespornt oder an ihnen teilgenommen haben. Ziel sei die dauernde und gewalttätige Vertreibung von Kroaten, Moslems und sonstigen Nichtserben gewesen. In vierzehn Punkten legt die Anklage Seselj diese Verbrechen zur Last. Der Termin der ersten Anhörung vor dem UNO-Tribunal stand zunächst noch nicht fest.

In den frühen Morgenstunden war der Chef der Serbischen Radikalen Partei (SRS) von etwa hundert Angehörigen seiner Partei sowie vier Söhnen zum Flughafen begleitet worden. Unmittelbar vor der Abreise sagte der Ultranationalist: "Das Wichtigste für das serbische Volk ist, dass ich der letzte Serbe bin, der sich dem Haager Tribunal stellt". An seine Anhänger appellierte er, weitere Verhaftungen und Auslieferungen mutmaßlicher serbischer Kriegsverbrecher zu verhindern, allen voran des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic, dessen Oberbefehlshabers Ratko Mladic sowie der beiden serbischen Offiziere Veselin Sljivancanin und Miroslav Radic.

Will Ehre verteidigen
Der studierte Jurist will sich vor dem UNO-Tribunals selbst verteidigen und die "Ehre von 10.000 Freischärlern verteidigen", beteuerte der Ultranationalist in den vergangenen Tagen wiederholt. Seine Freischärler, bekannt als Tschetniks oder Seseljs (Seseljovci), sollen während des Krieges zahlreiche Verbrechen ausgeübt haben.

Seselj, der erst am Samstag als SRS-Vorsitzender erneut bestätigt wurde, machte nie ein Hehl aus seinem "großserbischen" Projekt. Demnach sollten alle auf dem Westbalkan von Serben bewohnten Gebiete zu einem "Großserbien" zusammengefasst werden. Dieser Staat sollte auch Mazedonien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und weite Teile Kroatiens einschließen. "Das Projekt Großserbien gehört nur mir. Ich werde es niemandem überlassen", betonte Seselj vor seiner Abreise.

24.2.2003 09:39