Freitag, 28. Februar 2003

Strasser entzieht Caritas die Schubhaftbetreuung

  • Landau und Weidenholzer sprechen von "Strafexpedition"
  • Nur zwei Tage Warnfrist!

Nach der Betrauung der deutschen gewinnorientierten Firma European Homecare mit der Bundesbetreuung für Asylwerber hat Innenminister Ernst Strasser (V) den heimischen Hilfsorganisationen einen weiteren Sozialdienst entzogen. Er löst die Zusammenarbeit mit der Caritas und der Volkshilfe für die Schubhaftbetreuung in Wien auf.

Mit Brief vom 26. Februar wurden die beiden Hilfsorganisationen informiert, dass die Kündigung mit heute wirksam wird. In einer gemeinsamen Erklärung interpretieren der Wiener Caritasdirektor Michael Landau und der Präsident der Volkshilfe, Josef Weidenholzer "diese Aktionen des Herrn Innenministers als Strafexpedition gegen kritische NGOs".

Für Landau ist das "in mehrfacher Hinsicht eine fragwürdige Aktion". "Die Aufkündigung eines Vertrages ohne Frist und ohne Übernahme der arbeitsrechtlich bedingten Auslaufkosten ist ein unhöflicher Akt, stillos und gegenüber den Organisationen, Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und vor allem auch ihren KlientInnen gegenüber, verantwortungslos". Einmal mehr versuche hier das Innenministerium "des Kaisers neue Kleider" zu spielen, so Landau und Weidenholzer unisono.

Für den Wiener Caritasdirektor und den Präsidenten der Volkshilfe ist es "einfach nicht zu glauben, dass hier ein verantwortlicher Politiker, der auch immer wieder auf seine christlichen Wurzeln verweist, selbst Präsident einer NGO ist, letztlich offensichtlich aus Gekränktheit - weil wir keine streichelweiche applauswillige' NGO sind - Entscheidungen trifft, die auf Kosten von Menschen gehen. Wir setzen in unserer Arbeit auf Professionalität, Kontinuität und Menschenwürde im Umgang mit unseren KlientInnen. Das scheint bei Minister Strasser nicht gefragt zu sein," sind sich Landau und Weidenholzer einig.

Erst am Mittwoch hatte das Innenministerium die Entscheidung betreffend Auslagerung der Bundesbetreuung für Asylwerber an European Homecare bekannt gegeben. Ein Konsortium bestehend aus Caritas, Rotem Kreuz, Diakonie und Volkshilfe war nicht berücksichtigt worden. Für Weidenholzer und Landau ist es "selbstverständlich das Recht des Innenministeriums seine Partner und Partnerinnen zu wählen, nur sollten diese offensichtlich nicht kritisch sein".

28.2.2003 08:43