Alfred Hrdlicka feiert seinen 75. Geburtstag

Alfred Hrdlicka, einer der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer Österreichs, feiert gestern seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass startete bereits vor zwei Wochen im Willy Brandt Haus in Berlin eine Serie von Ausstellungen. Gestern eröffnete die Wiener Galerie Ernst Hilger unter dem Titel "mir fällt nichts ein - mir fällt was auf" eine Ausstellung mit ausgewählten Werken Hrdlickas zum Thema Porträtkunst.
Hrdlicka soll zwar "Turteltaube" heißen, doch als zahm und sanft erwies sich der Künstler weder in seinen Themen und in der Wahl seiner Materialien, noch in seinen Polemiken, mit denen sich der streitbare Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort meldete. Heiße Diskussionen begleiteten immer wieder die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentliche Raum, vom "Renner-Denkmal" an der Wiener Ringstraße (1967) bis zum Denkmal gegen Krieg und Faschismus am Wiener Albertinaplatz (1988/91). "Wäre ich ein Herkules, würde ich alle meine Handzeichnungen in Stein schlagen. Am Liebsten würde ich alles in Marmor schlagen", hatte der sensible Berserker im Vorjahr in einem APA-Interview erklärt, als im Wiener Palais Harrach eine große Auswahl seiner Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Bronzen und Steinskulpturen gezeigt wurde. "Die Bildhauerei ist für mich die elementarste Ausdruckskraft, wenn man das große Wort gebrauchen kann."
Vom Zahntechniker zum Bildhauer
Alfred Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Zahntechnikerlehre begann er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky zu studieren, ehe er mit Diplom als akademischer Maler in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat, um 1957 auch als Bildhauer akademische Ehren zu erwerben. Seiner ersten Skulpturenschau 1960 (gemeinsam mit Fritz Martinz) in der mittlerweile abgerissenen Zedlitzhalle in Wien folgten Ausstellungen im Wiener Künstlerhaus und in der Galerie Welz in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig.
"Alle Kunst kommt vom Fleisch"
Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen und Auszeichnungen für den Zeichner und Grafiker Hrdlicka, der den leidenden und geschundenen Menschen in den Mittelpunkt seiner Zyklen stellt. "Alle Kunst kommt vom Fleisch", lautet ein immer wieder zitiertes Diktum Hrdlickas, für den Kunst, die sich nicht direkt mit dem Menschen und seinen Problemen befasst, zu Dekoration und Unterhaltung verkommt. Zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Werken Hrdlickas zählen seine Arbeiten zur französischen Revolution, zu Pasolini, zu Franz Schubert.
Umstrittener Künstler
1963 erregten sich die Gemüter in Salzburg, nachdem sein "Orpheus" für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine "Liga gegen entartete Kunst" zum Protest gegen das in Wien enthüllte "Renner-Denkmal" Hrdlickas. 1970 entstand für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der "Plötzenseer Totentanz". In Hamburg sorgte sein monumentales "Gegendenkmal" zum Krieger-Ehrenmal für heiße Diskussionen, in Wien das Albertina-Mahnmal. In Stuttgart, Hamburg, Berlin und Wien war Hrdlicka als Hochschullehrer tätig. Als Bühnenbildner arbeitete Hrdlicka u.a. in Bonn ("Faust I und II", 1982) und Stuttgart ("Intolleranza", 1992). Im Jahr 2001 stattete er Christine Mielitz' Inszenierung des "Ring des Nibelungen" in Meiningen aus. Im Vorjahr zeichnete er für die Ausstattung der Salzburger Festspielproduktion von Zemlinskys "Der König Kandaules" derselben Regisseurin verantwortlich.
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