Mittwoch, 26. Februar 2003

Willy Kralik im Alter von 73 Jahren gestorben

  • Über 50 Jahre dauernde Rundfunk- und Fernseh-Karriere

Der beliebte Moderator Willy Kralik ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 73 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in Wien gestorben. Über 50 Jahre lang war er im ORF präsent. Landesweite Popularität erlangte er in 32 Dienstjahren als "Sekretär" im TV-"Seniorenclub", 25 Jahre lang war er in Radio Niederösterreich Talkmaster beim "Turnier auf der Schallaburg". Im Landesstudio Niederösterreich war er auch 30 Jahre lang Chef der Unterhaltungsabteilung.

Mit Kralik verliere der ORF "einen langjährigen Wegbegleiter des Unternehmens", zeigte sich Generaldirektorin Monika Lindner in einer ersten Reaktion betroffen und würdigte Kraliks herausragende Rolle als "mediale Bezugsperson älterer Menschen, denen er via Fernsehen Vertrauter und Freund wurde. Kralik war weit mehr als der 'Sekretär'. Sein einzigartiges Talent, mit Charme und geradezu jugendlicher Neugier auf die Menschen zuzugehen, hat er (...) immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt."

"Unsere tiefe Anteilnahme gilt seiner Frau Jenny Pippal-Kralik und den Familienangehörigen", hob ORF-Landesdirektor Norbert Gollinger hervor, "Willi Kralik war ein durch und durch positiver, lebensbejahender und kreativer Mensch. Willi Kralik war einer der profiliertesten Programmgestalter des ORF Niederösterreich. Er hat von Anfang an am Aufbau des Landesstudios mitgearbeitet."

Am 24. September 1929 in Wien geboren, trat Kralik bereits als Schüler des Schottengymnasiums im Radio auf: Einer seiner Lehrer schrieb Schulfunksendungen für die RAVAG, und der kleine Willy durfte dabei Latein- und Griechischzitate sprechen. Während seines Studiums absolvierte Kralik, der erst Dramaturg und dann Rezitator werden wollte, eine umfassende Sprecherausbildung und wurde 1948 als Conferencier "entdeckt": bei einem Nikolaus-Abend im Keller des Cafe-Restaurant Landtmann, der späteren "Tribüne".

Ab 1951 moderierte Kralik Schulfunk- und Jugendsendungen sowie die erste Radio-Hitparade. Nebenbei präsentierte er Bühnenshows und Modeschauen. 1956 wechselte er schließlich kurzfristig zu einem Printmedium, der "Wiener Tageszeitung". Seine Fernsehkarriere startete Kralik 1960 als Gastgeber der TV-Teenagerparty "Leute von heute", die er sechs Jahre lang betreute. In dieser Zeit "entdeckte" er selbst viele Talente, darunter etwa Peter Rapp. 1967 wurde Kralik Leiter der Unterhaltungsabteilung des ORF-Landesstudios Niederösterreich - eine Funktion, die er bis 1995 innehatte. 1968 wechselte er von der Jugendsendung in die entgegengesetzte Zielgruppe: Als "Sekretär" von Ernst Hagen stellte er anfangs im "Seniorenclub" die Verbindung zwischen Zuschauern und Redaktion her. Später wuchs er immer mehr in die Rolle des Moderators der Sendung.

Am 25. Juni 2000 flimmerte die letzte Ausgabe des "Seniorenclubs" über die Bildschirme, das Magazin "Schöner leben" trat seine Nachfolge an. Offiziell war Kralik schon 1996 in Pension gegangen. Der Abschied vom "Seniorenclub" fiel ihm nicht leicht, aber: "Das Fernsehen ist kein Museum", sagte Kralik damals. "Neue Entwicklungen brauchen neue Antworten." Die 1976 gegründete Radiosendung "Turnier auf der Schallaburg" (zuletzt nur noch: "Turnier") moderierte er bis zum vergangenen Herbst weiter. 1997 erschienen Kraliks Erinnerungen "... Sie haben leicht lächeln" im Verlag Kremayr & Scheriau.

Radio Niederösterreich erinnert sich am Mittwoch Abend mit einer Sondersendung von 19.04 bis 20 Uhr an Willi Kralik, das Fernsehen plant für Sonntag (2.3., 16.15 Uhr, ORF 2) eine Gedenksendung.

26.2.2003 10:04