Mittwoch, 19. Februar 2003

Deutsche-Telekom: Wandelanleihe drückt T-Aktie

  • Über 9 Prozent Kursverfall
  • Verwässerung durch Kapitalerhöhung

Die Deutsche Telekom hat am Mittwoch eine Wandelanleihe begeben und damit am Finanzmarkt Befürchtungen über ein Verfehlen ihres Schuldenziels sowie weitere Kapitalmaßnahmen ausgelöst. Dies führte zu einem deutlichen Kursrutsch der T-Aktie. Bis 16:30 Uhr MEZ verloren die Telekom-Aktien 9,2 Prozent auf 11,72 Euro. An den Rentenmärkten legten die Kurse der Telekom-Bonds geringfügig zu.

Börsianer begründeten den Kursrückgang der T-Aktie damit, dass die Telekom möglicherweise ihre Kapitalbasis nach den abschreibungsbedingten Bilanzverkürzungen aufstocken müsse. Die Telekom betonte jedoch, das Unternehmen sei mit dem Emissionserlös aus der Wandelanleihe durchfinanziert bis ins Jahr 2005. Die Ratingagentur Moody's sieht keinen Grund für eine Überprüfung der Kreditwürdigkeit.

"Es wird am Markt diskutiert, ob die Telekom weitere Kapitalmaßnahmen plant. Meiner Ansicht nach ist das nicht notwendig, aber die Befürchtung existiert", sagte Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Zudem werde der Verdacht genährt, dass die Telekom zur Sicherung ihres Schuldenziels neue Finanzquellen erschließe, fügte er hinzu.

Die Telekom bekräftigte, dass die Verschuldung bis Ende 2003 auf 50 bis knapp 53 Mrd. Euro von zuletzt 64 Mrd. Euro sinken werde. Dazu sollen Beteiligungen veräußert, die Effizienz erhöht und Kosten gespart werden. Das Unternehmen betonte zudem, durch die Anleihe steige die Nettoverschuldung nicht. Die erhöhten Bruttoschulden würden durch neue Aktien in Eigenkapital umgewandelt. Bis ins Jahr 2005 sei die Liquidität trotz der bis 2004 anstehenden Tilgung von 19 Mrd. Euro gesichert. Eine Kapitalerhöhung sei kein Thema.

Mit der erstmaligen Begebung einer Wandelanleihe will die Telekom Zugang zu neuen institutionellen Investoren finden, ihr Refinanzierungsrisiko verteilen und ihre Bonität absichern. Bei dreijähriger Laufzeit ist ein Anleihevolumen von bis zu 2,5 Mrd. Euro geplant. Die genauen Konditionen sollen am Donnerstag stehen. Die Verzinsung wird nach Angaben der Konsortialbanken bis zu 6,875 Prozent betragen. Am Laufzeitende werden die Anleiheanteile in Telekom-Aktien getauscht. Die Anleihe war den den Angaben zufolge zweifach überzeichnet.

Im Gegensatz zum skeptischen Aktienmarkt reagierte die Ratingagentur Moody's positiv. "Es gibt überhaupt keinen Druck auf das Rating der Telekom", sagte Analyst Aidan Fisher. Die Telekom sei in einer stabilen Position. Durch die Anleihe verbessere sich die Liquiditätsposition und ein Teil des Emissionserlöses könne bereits als Eigenkapital betrachtet werden. Zudem sei zu erwarten, dass die Kapitalkosten sänken. Moody's hatte die Kreditwürdigkeit der Telekom zuletzt deutlich gesenkt. Auch ein Fondsmanager wertete die Anleihe als positives Signal für langfristige Investoren. Durch den Kapitalzufluss werde die Bonität des Unternehmens stabilisiert.

An der Börse dominierten hingegen negative Einschätzungen. Frank Wellendorf, Analyst bei der WestLB, sagte: "Drei Dinge belasten die Telekom-Aktien kurzfristig: Der Verwässerungseffekt des Ergebnisses durch neue Aktien, eine Diskussion um das Erreichen des Schuldenabbauziels und Arbitrage-Geschäfte." Bei Arbitrage-Geschäften werden Aktien in Aussicht auf die infolge der Wandelanleihe neu auszugebenden Aktien verkauft, um einen Zwischengewinn zu erzielen. Durch die bevorstehende Ausgabe von bis zu 195 Mio. neuen T-Aktien sinkt das je Aktie erzielte Ergebnis.

Die Berliner Regierungskoalition bestätigte Pläne, 2003 weitere Aktien aus dem rund 30-prozentigen Telekom-Paket des Bundes an die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu verkaufen. Zusammen mit Anteilen an der mehrheitlich staatlichen Deutschen Post will der Bund Aktien im Wert von 5,5 Mrd. Euro an die KfW abgetreten. Wann die KfW die Telekom- und Post-Aktien an den Markt weitergibt, steht noch nicht fest.

19.2.2003 17:37