Dienstag, 18. Februar 2003

Mehr neue Handys, keine Erholung am Mobilfunkmarkt

  • UMTS und neue Services in Sicht, Kampf der Betriebssysteme
  • Größte Handymesse in Cannes - "3GSM World Congress"

Noch keine Erholung am Mobilfunkmarkt, aber immerhin mehr verkaufte Handys erwarten die internationalen Handyhersteller im heurigen Jahr. Weltweit sollen heuer rund 435 Mio. Handys über den Ladentisch wandern, um rund 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das wäre nach drei Jahren der Stagnation erstmals wieder ein Wachstum beim Absatz von Handys.

Der Mobilfunkmarkt insgesamt soll aber nach einem Rückgang um 20 Prozent auch heuer wieder um 5 bis 12 Prozent schrumpfen, so die Meinung der Handyhersteller auf der weltgrößten Handymesse, dem 3GSM World Congress, in Cannes.

Langfristiges Wachstum prognostiziert
Langfristig sehen die internationalen Handyhersteller aber weiterhin ein kräftiges Wachstum. Laut Nokia soll der Umsatz der Handybetreiber bis 2007 von derzeit 415 Mrd. Euro um jährlich 13 Prozent auf 740 Mrd. Euro ansteigen. Die Zahl der weltweiten Handykunden soll bis 2010 aus Nokia-Sicht von im Vorjahr 1,155 Mrd. auf 2 Mrd., nach Meinung Motorolas sogar noch stärker ansteigen.

UMTS im Cannes-Mittelpunkt
Geprägt ist das heurige Jahr durch den Start der dritten Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) in Europa, dem mit einer Penetration von knapp 74 Prozent oder 56,8 Millionen Kunden stärksten Mobilfunkmarkt der Welt. "3G wird Realität", verkündete am Montagabend Motorola-Vizepräsident Adrian Nemcek: "Es passiert zwar nicht so schnell, wie alle erwartet haben, aber es passiert."

Handys der 3. Generation
Motorola, weltweit zweitgrößter Handyerzeuger, hat als erstes Unternehmen bereits im Vorjahr ein UMTS-Handy präsentiert, das mittlerweile bereits am Markt ist. Bis Jahresende soll es von Motorola drei UMTS-Modelle geben. Der Marktführer Nokia hat am Dienstag in Cannes den Verkaufsstart seine ersten UMTS-Handys noch vor dem Sommer bekräftigt. Das schwedisch-japanische Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson, das als Dritter sein UMTS-Gerät Montagabend in Cannes präsentiert hat, will dieses erst im zweiten Halbjahr auf den Markt bringen.

Kosten sollen die neuen UMTS-Handys - zumindest bei Sony Ericsson - in etwa so viel wie die teuersten GSM-Geräte. Im Fall von Sony Ericsson wären das in Österreich ungestützt 889 Euro.

Mobiles Entertainment
Wie die Services aussehen werden, die man für dieses teure Geld dann nutzen kann, zeichnet sich in Cannes deutlich ab: Mobile Gaming, dem auf der Messe eine eigene Halle gewidmet ist, andere Unterhaltung wie Musik, Logos und Klingeltöne, Imaging (Fotografieren und Bilder versenden) und Connectivity, die Interaktion des Handys mit anderen Geräten, etwa dem PC.

Kampf der Betriebssysteme
Geprägt sein wird das heurige Jahr laut dem Marktforscher Gartner außerdem von einem Kampf um den Handybildschirm. Drei Betriebssysteme rittern in Cannes deutlich um die Vorherrschaft. Mit seinem "Windows Smartphone" tritt Microsoft gegen das Konkurrenzprojekt Symbian an, das unter anderem von den Mobiltelefonherstellern Nokia, Siemens, Sony Ericsson und Motorola vorangetrieben wird. Motorola bringt mit seinen neuen Handys außerdem auch noch Linux in Kombination mit Java ins Spiel.

T-Mobile & Microsoft
Am Montag hat T-Mobile verkündet, noch vor dem Sommer ein neues Microsoft Smartphone-Handy auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig hat Microsoft in Cannes aber auch eine Niederlage eingesteckt. Samsung, die Nummer drei auf dem Weltmarkt für mobile digitale Geräte und bisher eigentlich Microsoft-Partner, erwarb für 17 Mio. britische Pfund (25,5 Mio. Euro) einen fünfprozentigen Anteil an Symbian.

Wer das Rennen gewinnen wird, wird nach Einschätzung von Marktteilnehmern im wesentlichen davon abhängen, wer von den Dreien mehr von den vielen kleinen Softwareentwicklern auf seine Seite bringen kann. Sowohl Symbian als auch Microsoft haben in Cannes eine neue Plattform für Entwickler präsentiert.

Noch bis Freitag
Die Handymesse in Cannes dauert noch bis Freitag. Insgesamt werden 28.000 Besucher erwartet, 4.000 mehr als im Vorjahr. 563 Unternehmen aus 154 Ländern sind vertreten.

Weitere Informationen:

  • 3GSM World Congress in Cannes

    18.2.2003 16:17