Montag, 17. Februar 2003

WestLB: Swisscom-Einstieg bei TA möglich

  • Nur direkte Mehrheitsübernahme für Swisscom wertsteigernd
  • Fusion von Swisscom und TA wenig wahrscheinlich

Die Schweizer Swisscom, die in den letzten Wochen in der Branche als Kandidat für eine Beteiligung bei der Telekom Austria (TA) gehandelt wurde, sieht die Investmentbank WestLB Panmure "unter zunehmendem Druck, mangelnde Wachstumsperspektiven im Heimatmarkt durch Akquisitionen kompensieren zu müssen". Ein Einstieg bei der Swisscom bei der TA sei möglich, wertsteigernd wäre allerdings nur eine direkte Mehrheitsübernahme, was derzeit nicht die wahrscheinlichste Option sei.

Die WestLB Panmure-Analysten glauben nicht, dass der Markt derzeit Akquisitionen honoriere. Der kolportierte Einstieg der Swisscom bei der TA über ein Minderheitspaket sei die "plausibelste Spekulation". Ein stufenweiser Einstieg bei der TA sei für die Swisscom-Anleger aber nicht attraktiv, ein Minderheitsengagement könne den Kurs von Swisscom unter Druck bringen, fürchten die Analysten. Nur eine schnelle Kontrolle der TA könne vom Markt positiv honoriert werden. Allerdings sei ein kurzfristiger Aufbau einer Mehrheitsposition bei TA schwierig. Attraktivere Varianten seien daher der Kauf von Telekom Austria-Aktien bzw. ein Swisscom-Aktienrückkauf.

Für eine Übernahme bzw. Einstieg gebe es drei mögliche Szenarien, so die Analysten. Sollte sich die Swisscom mit den beiden TA-Großaktionären ÖIAG (47,2 Prozent) und Telcom Italia (14,8 Prozent) einigen und die Beteiligungsquote von 30 Prozent überschreiten, müsste sie allen außenstehenden Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot machen. Die Übernahme von 51 Prozent der TA könnte die Swisscom laut WestLB Panmure-Berechnungen 3 Mrd. Euro inklusive Kontrollprämie von 20 Prozent kosten.

Die Swisscom könnte aber auch im ersten Schritt von den TA-Großaktionären über 25 Prozent an der TA zu einem geschätzten Preis von 1,3 Mrd. Euro übernehmen. Damit würde die ÖIAG ihre Kontrollposition gegenüber der Swisscom beibehalten. Diese Beteiligung könnte mittelfristig etwa durch eine Option gegenüber der ÖIAG zu einer Mehrheitsposition durch einen weiteren ÖIAG-Rückzug ausgebaut werden. Ein weiteres Szenario sei eine Fusion von Swisscom und Telekom Austria, was aber angesichts der potitischen Konstellationen und der Pläne der Großaktionäre, durch Paketverkäufe Cash zu generieren, wenig wahrscheinlich sei.

Die TA passt laut Analysten "gut in das Investment-Kriterienraster der Swisscom". Die fehlenden Sprachbarrieren seien zudem ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Allerdings seien die Synergiepotenziale "begrenzt.

Kriegskasse von 4 bis 6 Mrd. Euro
Die Swisscom habe derzeit einen Akquisitionsspielraum von 4 bis 6 Mrd. Euro, meinen die WestLB Panmure-Analysten. Das Unternehmen sei wesentlich besser durch die Liberalisierung gekommen als die Telekom Austria (TA). Die Gründe dafür lägen in der aggressiveren Liberalisierung des Marktes in Österreich und der stärkeren Konkurrenz im überdurchschnittlich erfolgreichen österreichischen Mobilfunk. Die TA habe zudem zu spät auf den veränderten Markt reagiert, sei aber jetzt mit der Restrukturierung erfolgreich.

Im Mobilfunkbereich setzte die Swisscom 2002 Schätzungen zufolge 2,235 Mrd. Euro um, die Mobilkom Austria 1,79 Mrd. Euro. Der Marktanteil von Swisscom Mobile betrug Ende 2002 63,5 Prozent, der von Mobilkom Austria 44,4 Prozent. Beide Unternehmen haben eine Kooperation mit Vodafone geschlossen.

17.2.2003 15:58