Dienstag, 18. Februar 2003

Neu: Meinungsforschung am TV-Bildschirm

  • Omninet-System nutzt Vorteile von Internet und Interaktivität
  • Umfragen per Set-Top-Boxen am TV-Schirm

Meinungsumfragen liegen im Internet-Trend - fast kein Portal, dass seine Nutzer nicht zum "Voten" auffordert. Doch ebenso wie der vom Fernsehen bekannte Teledialog (TED) sind Web-Umfragen nicht repräsentativ, weil niemand sicherstellen kann, wer daran teilnimmt. Dennoch bietet das Computernetz den Meinungsforschern interessante Möglichkeiten. Neueste Entwicklung: Umfragen per interaktiven Bildysytem.

Das Berliner Forsa-Institut verwendet seit einigen Monaten ein interaktives Bildsystem, dass bisher 7.000 Haushalten in Deutschland zur Verfügung steht. Bei der Omninet-Methode beantworten die Teilnehmer Fragebögen mit Bildmaterial an ihren Fernsehbildschirmen zu Hause. Kern des Systems ist eine so genannte Set-Top-Box, die als Verbindung zwischen Fernseher, Telefon und den Computern der Meinungsforscher funktioniert.

Leicht zu bedienen
Der Vorteil von Omnitel ist, dass es leicht zu bedienen ist und kaum technische Voraussetzungen braucht, betont Birgit Krause, die das Projekt bei Forsa leitet. Die Set-Top-Box funktioniert wie eine Modem-Verbindung zu einem speziellen Forsa-Intranet. Um an einer Umfrage teilzunehmen, wählt sich der Teilnehmer mit einer Infrarot-Bedienung ein, und bekommt sein persönliches Menü. Und zwar dann, wenn es der Teilnehmer will, wie Krause betont.

Bilder machen Themen anschaulicher
Bilder schaffen es dabei, dass Fragen, die bisher vielleicht nach allzu grauer Theorie klangen, anschaulicher werden. So zeigte jüngst eine von der "Financial Times Deutschland" in Auftrag gegebene Umfrage ein Foto von US-Präsident George W. Bush. "Ist dieser Politiker eher auf Erhalt des Friedens bedacht, oder ist er bereit zu einem Krieg, um seine Interessen durchzusetzen?" lautete die dazu gehörende Frage - und 93 Prozent ordneten ihn klar in das kriegerische Lager ein.

"Mit der visuellen Darstellung erreicht man ganz andere Leute", erläutert Forsa-Mitarbeiterin Krause. Die Vorteile wissen vor allem auch Fernsehsender zu schätzen - so konnte ProSieben unlängst bei der Ausstrahlung von "Sex and the City" den Zuschauern einen Fragebogen direkt auf ihren heimischen Bildschirm spielen, auf dem sie Fragen zum Image der Serie beantworteten.

"Taschengeld" für Umfrage-Teilnahme
Im Idealfall soll sich jeder Haushalt täglich einwählen und mindestens einmal pro Woche eine Umfrage abschließen. Als Anreiz gibt es 25 Cent Gutschrift für jede Einwahl und einen Euro für jede Umfrageteilnahme - ein "Taschengeld", wie Krause sagt. Dennoch klappt das System - mehr als 100 Umfragen hat Forsa damit schon abgeschlossen.

Nachteil des Systems sind Zeit und Kosten: Zum einen erfordern Installation und Rekrutierung der Teilnehmer - von den Meinungsforschern "Panel" genannt - "erhebliche" Investitionen, wie Krause sagt. Schließlich müssen die Haushalte sorgfältig ausgewählt werden, damit die Omninet-Umfragen später bei möglichst vielen Themen repräsentativ sein können. Zum anderen dauert eine Omnitel-Erhebung mindestens drei Tage, während eine Telefon-Umfrage auch an einem Tag abgeschlossen sein kann, wie Krause erläutert.

Dennoch nennt Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner Omninet einen "Quantensprung in der Meinungsforschung". Ungefähr 50.000 Interviews hat Forsa nach Krauses Angaben damit schon geführt - und das Programm soll noch wachsen: Bis Ende 2004 sollen insgesamt 30.000 Haushalte an das neue System angeschlossen worden sein. Zusätzlich sollen 5.000 Set-Top-Boxen eines neuen Typs installiert werden, die nicht nur Standbilder, sondern auch Filmmaterial zeigen können.

Weitere Informationen:

  • Forsa-Website

    18.2.2003 10:27