E-Banking: Digitale Signatur soll TAN-System ablösen
- Ab 2004 - Mehrere Jahre Parallelbetrieb mit TAN-System
- Karte und Lesegerät kosten über 100 Euro
·Austro-Web
Jeder Zweite surft im Internet!
Ab 2004 planen die österreichischen Banken beim E-Banking die schrittweise Ablöse des derzeitigen TAN-Systems durch die digitale Signatur. Ein entsprechender Generallizenzvertrag über die Nutzung des BDC-Produktes hot:verify wurde soeben zwischen der Wiener Softwarefirma BDC EDV-Consulting GmbH und den Gesellschafterbanken der Stuzza (Studiengesellschaft für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr) abgeschlossen. Banker sehen in der digitalen Signatur auch den Schlüssel zum E-Government.
Die BDC-Standardsoftware, die auf den bankeigenen vorgelagerten Signaturserver eingesetzt wird, erleichtere den Banken die Integration einer sicheren PKI (Public Key Infrastructure) in ihre Bankanwendungen. "Damit ist sicheres und rechtsverbindliches E-Banking möglich", so BDC-Geschäftsführer Helmut Biely am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. "Wir wollen die sichere Signatur in den täglichen Gebrauch bringen", meinte der Leiter der RZB-Kartenzahlungssysteme, Karl Grünberger. Die Dauer des Parallelbetriebes von TAN- und digitaler Signatur schätzt er auf rund 4 bis 5 Jahre.
Den Auftragswert des Lizenzvertrages bezifferte Biely auf rund 350.000 Euro. Da mit hot:verify beliebige Bankanwendungen verbunden werden könnten, eigne sie sich neben dem Einsatz für das E-Banking auch für den elektronischen Wertpapierhandel oder für elektronische Vertragsabschlüsse - etwa Kredit- und Leasingverträge. Die rechtliche Sicherheit der dabei agierenden Partner sei gegeben. Laut Biely haben die Erste Bank und der Sparkassensektor das Produkt bereits in Betrieb genommen, andere wie der Raiffeisensektor setzen es noch als Testinstallation ein.
Hardware als Vorrausetzung
Voraussetzung für die Nutzung der digitalen Signatur ist allerdings eine entsprechende Hardware-Infrastruktur. So kann laut Grünberger ein breiter Einsatz im Elba-Internet der RZB erst nach dem Austausch der Bankservicekarte 2004 erfolgen, da auf diese erst das qualifizierte Zertifikat des Zertifizierungsanbieters der Banken, der A-Trust, aufgebracht werden muss. Auch der Benutzer benötigt ein Kartenlesegerät für die Chipkarte und zur Eingabe des PIN (Persönliche Identifizierungsnummer). Mit welchen zusätzlichen Kosten ein privater Nutzer rechnen muss, konnte Grünberger nicht sagen. Die Kalkulationen seien noch nicht abgeschlossen. "Die Hardware wird ein Thema sein", so Grünberger.
Laut der aktuellen A-Trust-Preisliste kommt eine Chipkarte für das qualifizierte Zertifikat ohne Zertifikat auf 30 Euro. Für das qualifizierte Zertifikat und Verschlüsselungszertifikat fallen pro Jahr zusätzlich 18 Euro an, sowie einmalig für die Registrierung und Zertifikaterstellung 12 Euro. Die Preise für von A-Trust empfohlene Kartenlesegeräte (Kundenterminals) bewegen sich von 66 bis 163 Euro. Karte, Zertifikat und Leser kommen damit auf über 100 Euro.
Die digitale Signatur werde der Schlüssel für das E-Government werden, so Grünberger. Derzeit bestünden etwa bereits Basisvereinbarungen mit dem Finanzministerium, dass bei Zahlungen mit digitaler Signatur eine Bestätigungsmeldung an das Finanzamt gesendet wird. Die entsprechende Infrastruktur bei den Finanzämtern für Finanz-Online mit digitaler Signatur werde aber erst 2004 fertig gestellt sein.
