Mittwoch, 19. Februar 2003

HypoVereinsbank: 858 Mio. Euro Konzernverlust 2002

  • Verlust höher als erwartet - erstmals seit 1945 keine Dividende
  • Österreich-Tochter BA-CA mit 23% weniger Gewinn (Kasten)

Börsenflaute, Pleitewelle und hohe Risiken in den eigenen Kreditbüchern haben die HypoVereinsbank (HVB) unerwartet tief in die roten Zahlen getrieben. Das zweitgrößte deutsche Bankhaus - Mutterkonzern der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) - machte im vergangenen Jahr 2002 einen Nettoverlust von 858 Mio. Euro! Allein im vierten Quartal verbuchte die HVB vor allem wegen hoher Wertberichtigungen einen Vorsteuer-Verlust von mehr als einer Mrd. Euro. Die Aktionäre erhalten - zum ersten Mal seit 1945 - keine Dividende.

Damit fiel das Ergebnis noch einmal deutlich schlechter aus als von vielen Experten erwartet. Wie die Bank am Mittwoch in München mitteilte, lief das vierte Quartal 2002 zwar besser als die vorhergehenden. Aber die Risikovorsorge schnellte auf fast 3,8 Mrd. Euro empor und fraß sämtliche Betriebsgewinne wieder auf.

Der neue Vorstandschef Dieter Rampl sagte: "Das Geschäftsjahr 2003 war das schwierigste und schlechteste in der Geschichte der Bank." Aber sinkende Kosten, steigende Erträge und der operative Gewinn im vierten Quartal zeigten, dass die HypoVereinsbank jetzt "aus dem Gröbsten heraus sei". Für 2003 bekundete Rampl "vorsichtige Zuversicht". Für das erste Quartal wurde ein Gewinn in Aussicht gestellt.

Über einen möglichen weiteren Stellenabbau wurde nichts mitgeteilt. Die HypoVereinsbank hat bereits knapp 7.000 Stellen gestrichen und wird nach bisher bekannten Plänen noch weitere 2.100 abbauen.

Das Ausmaß der Risikovorsorge und damit auch der Verluste im Jahresabschluss 2002 übertraf alle Erwartungen. Das Betriebsergebnis sank um 10 Prozent auf 3,195 Mrd. Euro. Die Risikovorsorge wurde im Vergleich zum Vorjahr auf 3,797 Mrd. Euro fast verdoppelt. Statt eines Jahresüberschusses von knappe einer Milliarde Euro im Vorjahr wies die HVB einen Jahresfehlbetrag von 858 Mio. Euro aus.


Im 4. Quartal: Vorsteuer-Verlust von mehr als einer Mrd. Euro
Entscheidend für das schwache Ergebnis war auch im Schlussquartal die hohe Vorsorge für Risiken im Kreditgeschäft. Die Risikovorsorge habe sich für den Zeitraum Oktober bis Dezember auf 1,321 Mrd. Euro belaufen, nach schon 1,232 Mrd. Euro im dritten Quartal.

Zur erwarteten Geschäftsentwicklung im neuen Jahr hielt sich die HVB-Gruppe zunächst bedeckt. Es gebe Signale, dass die Talsohle im vierten Quartal des vergangenen Jahres durchschritten worden sei, hieß es am Morgen. Für das erste Quartal 2003 ist die HVB optimistisch, wieder mit Gewinn abzuschließen: "Wir hoffen, dass wir in dem Quartal wieder in die schwarzen Zahlen kommen." Derart hohe Abschreibungen wie im vierten Quartal erwartet die HVB nicht mehr.

19.2.2003 09:08