Sonntag, 23. Februar 2003

ÖSV-Team im WM-Teambewerb nur Fünfter

  • Gold ging mit 1.046,6 Punkten an Finnland
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Österreichs Skispringer müssen bei den 44. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften im Val di Fiemme weiter auf die erste Medaille warten. Im Teambewerb am Sonntag landeten Martin Höllwarth, Andreas Kofler, Andreas Widhölzl und Florian Liegl nur auf dem enttäuschenden fünften Platz. Auf Platz eins landeten die Finnen mit 1.046,6 Punkten.

Österreichs Skispringern, die im Weltcup so ausgezeichnete Leistungen geboten haben, bleibt nur noch die WM-Konkurrenz von der Normalschanze, um nicht wie schon bei den Olympischen Spielen 2002 leer auszugehen. Das Quartett Martin Höllwarth, Andreas Kofler, Andreas Widhölzl und Florian Liegl landete am Sonntag im WM-Teambewerb von der Großschanze nur an der enttäuschenden fünften Stelle. Der Sieg ging an Finnland, das mit 1.046,6 Punkten überlegen vor Japan (1.010,1) und Norwegen (991,9) Gold gewann. Dem ÖSV-Team fehlten letztlich 30,1 Punkte auf Bronze.

Höllwart sprang 122 Meter
Die ÖSV-Equipe lag während der gesamten Konkurrenz nur ein Mal in den Medaillen-Rängen, als Startspringer Höllwarth bei 122 Metern gelandet war. Ein Sturz von Schluss-Springer Florian Liegl nach 127,5 Metern bedeutete zwar einen gehörigen Punkteverlust, als Ausrede für die verpasste Medaille durfte das aber nicht verwendet werden. Selbst mit einer geglückten Telemark-Landung, - Liegl war sich auf die Skienden gestiegen -, wäre Bronze nicht möglich gewesen. Die Japaner, die letztlich über das überraschende Silber jubeln durften, hatten mit Kazuyoshi Funaki ebenfalls einen Sturz (er war gerodelt) in der Wertung.

Liedl nach Sturz leicht verletzt
Liegl hat sich bei seinem Sturz allerdings den Anzug und auch die Haut im Beckenbereich aufgerissen und sprang im zweiten Durchgang mit Schmerzen. "Ich bin bei der Landung mit dem Gewicht zu weit nach vorne gekommen. Anzug und Haut war offen, beim Becken bin ich ziemlich blau", meinte Liegl. Trotzdem glaubt er nicht, dass der viel zitierte "Wurm" in der Mannschaft ist. "Die Schanze liegt uns einfach nicht. Unser Material und die Abstimmung sind mehr auf Geschwindigkeit und weniger auf Höhengewinn nach dem Absprung ausgerichtet. Wenn man hier aber die Höhe nicht erreicht, fehlen am Ende die Meter", glaubt Liegl, dessen Anzug in der Pause hatte genäht werden müssen, den Hauptgrund zu kennen.

Schon nach dem ersten Durchgang lagen die ÖSV-Adler 39,4 Zähler hinter den führenden Finnen bzw. knapp 20 Punkte hinter den auf dem dritten Platz gelegenen Norwegern zurück. Für die letzten vier Sprünge bedeutete das umgerechnet knapp zwölf Meter, die die Truppe von Hannu Lepistö für eine Bronzemedaille hätte aufholen müssen.

Bittere Pille für das ÖSV-Team
Bei den Weltmeisterschaften in Lahti hatte das ÖSV-Team von der Großschanze Bronze und von der Normalschanze Gold geholt, allerdings stand nur noch Höllwarth aus der damaligen Mannschaft am Start. Der Teambewerb von der kleinen Schanze wird im Fleimstal nicht ausgetragen, soll aber 2005 in Oberstdorf wieder ins Programm genommen werden. Der fünfte Platz war jedenfalls eine bittere Pille für die noch vor einer Woche gerade in dieser Konkurrenz klar favorisierten ÖSV-Adler. die im Nationencup um über 2.000 Punkte voran liegen.

Nun droht dem ÖSV sogar die erste Weltmeisterschaft ohne Springermedaille seit 1974 in Falun. Denn von der Normalschanze war Widhölzl und Co. von vorne herein am wenigsten zuzutrauen. Ob man nun einen Notplan bis zum ersten Training am Mittwoch entwickelt, war vorerst unklar. "Panik machen hat jetzt auch keinen Sinn mehr", meinte ein deprimierter Martin Höllwarth, der sich die rund zehn Meter Rückstand auf die Besten nicht erklären kann. Keinen einzigen 130-m-Sprung zeigten die Österreicher in Training und den beiden Wettkämpfen, rein von den im WM-Ort gezeigten Leistungen hat man sich eine Medaille schlichtweg nicht verdient.

Reaktion von Toni Innauer
Toni Innauer war nach Platz fünf im Teambewerb natürlich alles andere als erfreut. "Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass eine Standardleistung der Mannschaft genügt hätte. Bis zum Sturz von Liegl waren wir auf Tuchfühlung. Danach ist der Faden gerissen. Der Teambewerb wäre unser Bewerb gewesen", meinte Innauer.

Noch nicht klar war, wie man nun weiter vorgeht bzw. ob jemand kurzfristig für ein Training heimreist. "Ich muss erst die Stimmung im Team ausloten", so Innauer. Nach einer Trainingsplanänderung steht die erste Einheit statt am Mittwoch aber schon am Dienstag auf dem Programm. Allerdings macht er sich nicht übermäßige Illusionen, den Trend noch bei dieser WM umkehren zu können. "Die Leute, die jetzt Medaillen haben, werden wieder vorne dabei sein. Für alle anderen wird es jetzt schwer."

Ergebnisse WM-Teambewerb in Predazzo

1. Finnland 1.046,6 Punkte
Janne Ahonen/236,5/118,5-124,0
Tami Kiuru/274,1/132,0-130,0
Arttu Lappi/262,2/127,0-129,5
Matti Hautamäki/273,8/131,0-130,0

2. Japan 1.010,1
Kazuyoshi Funaki/220,0/120,5-124,5
Akira Higashi/247,5/125,5-124,5
Hideharu Miyahira/271,0/132,0-128,0
Noriaki Kasai/274,6/130,0-131,0)

3. Norwegen 991,9
Tommy Ingebrigtsen/248,0/124,0-126,0
Lars Bystöl/254,0/128,0-124,5
Sigurd Pettersen/249,9/125,5-125,0
Björn Einar Romören/240,0/123,5-121,5)

4. Deutschland 963,3
Martin Schmitt/225,2/117,5-121,5
Georg Späth/247,6/125,0-124,5
Michael Uhrmann/241,8/125,0-121,0
Sven Hannawald/248,7/125,0-124,0

5. Österreich 961,8
Martin Höllwarth/239,4/122,0-123,5
Andreas Kofler/235,3/122,0-121,5
Andreas Widhölzl/254,5/129,0-123,5
Florian Liegl/232,6/127,5-124,5

6. Slowenien 954,5
Peter Zonta/199,1/111,0-113,5
Rok Benkovic/238,2/123,0-121,0
Primoz Peterka/250,8/126,0-125,0
Robert Kranjec/264,4/130,0-128,0

7. Polen 898,4
Robert Mateja/199,4/107,5-118,0
Tomislaw Tajner/196,1/112,5-112,0
Marcin Bachleda/218,9/115,5-120,0
Adam Malysz/284,0/133,5-134,0

8. Tschechien 809,1
Lukas Hlava/168,4/104,0-106,5
Jan Mazoch/190,1/110,5-111,5
Jan Matura/230,7/120,0-121,5
Jakub Janda/219,9/117,0-118,5

9. Schweiz 763,1

23.2.2003 14:27