Donnerstag, 20. Februar 2003

Nach Skandal: Bayern drohen sogar Klagen

  • Wird nachträglich Meistertitel aberkannt
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Im Wirbel um den umstrittenen "Geheimvertrag" drohen dem FC Bayern München tiefe Kratzer im Hochglanz-Image und womöglich weit reichendere Konsequenzen - Kritik der Konkurrenz ist dem Branchenführer jetzt schon sicher. "Wir werden überprüfen, inwieweit der Vertrag beim Lizenzierungsantrag hätte vorgelegt werden müssen", sagte Michael Pfad, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), am Donnerstag. "Überprüft werden muss auch die Frage, inwieweit der Liga als Gruppe ein materieller Schaden entstanden ist."

Nach dem Bekanntwerden der bis dato geheimen Vereinbarung des deutschen Fußball-Rekordmeisters mit der insolventen Kirch-Gruppe hatte die DFL den 17-maligen Meister aufgefordert, die entsprechenden Unterlagen zur Prüfung zur Verfügung zu stellen. Man dürfe die Bayern jetzt nicht vorverurteilen, meinte Pfad und plädierte für "Fairness".

Dennoch gab es neben Unverständnis und Erstaunen bereits äußerst heftige Reaktionen aus der Bundesliga. Nach Angaben des Fußball-Fachmagazins "kicker" soll ein nicht genannter Spitzenclub sogar eine Klage gegen den FC Bayern planen, falls sich in dem Vertrag Anhaltspunkte dafür fänden. Frank Mackerodt, ein Aufsichtsratsmitglied des HSV, ging gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" am weitesten in seinen Forderungen nach Konsequenzen. "Stimmen die Fakten, wäre das Wettbewerbsverzerrung", erklärte er: "Die Bayern hätten dann nicht nur die zusätzlichen Millionen-Einnahmen an die Liga abzuführen, auch die Aberkennung ihrer Meistertitel müsste angedacht werden. Schließlich haben sie sich mit dem Geld auf dem Transfermarkt bedient."

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der FC Bayern von Ende 1999 bis Ende 2002 eine schriftliche Vereinbarung mit der Kirch-Gruppe hatte, die dem deutschen Fußball-Rekordmeister in den vergangenen zwei Spielzeiten insgesamt rund 20,5 Millionen Euro eingebracht haben soll. Das "manager magazin" hatte berichtet, dass sich Kirch für das Geld angeblich die Zustimmung des größten Quotenbringers zu einer weiteren zentralen Vermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte gesichert hatte.

"Es gibt dazu nichts mehr zu sagen. Wir geben keine weiteren Erklärungen ab", wehrte Bayern-Sprecher Markus Hörwick am Donnerstag Interview-Wünsche zu dem Thema ab. Die Vorstände Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren wegen Terminen nach Angaben ihres Sekretariats nicht zu sprechen. Die Verantwortlichen hüllten sich in Schweigen, am Vortag hatten die Münchner mit einer kurzen schriftlichen Erklärung reagiert, in der ein Vertrag bestätigt wurde, der "umfangreiche Vermarktungsrechte" des Clubs übertrage.

Der ehemalige Kirch-Vize Dieter Hahn begründete die Vereinbarung mit den Bayern im "kicker"-Interview folgendermaßen: "Wir wollten die Rechte sicher haben. Und wir hätten auch einen eigenen Kanal mit den Bayern gemacht." Summen wollte er nicht nennen. "Aber es waren schon substanzielle Verträge. Uli Hoeneß war noch nie billig."

20.2.2003 14:53