Syrien beginnt mit Truppenabzug aus dem Libanon
- Soldaten verlassen nördliche Christengebiete
- Westliche Diplomaten: Geschickter Schachzug vor Irak-Krieg
Syrien hat am Mittwoch mit dem Abzug eines weiteren Teils seiner im Libanon stationierten Truppen begonnen. Wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren war, wird der Rückzug von zunächst 2.500 Mann aus den nordlibanesischen Christen-Bezirken Zghorta und Batroun-Koura voraussichtlich fünf Tage dauern. Die Syrer stehen seit der israelischen Ivasion im Libanon in den 70er-Jahren als "Schutzmacht" im Land.
Westliche Diplomaten in Beirut und die libanesische Presse sehen die Maßnahme in direktem Zusammenhang mit der Irak-Krise. Damaskus wolle damit der antisyrischen christlichen Opposition im Libanon vor Augen führen, dass es die Situation in jedem Fall unter Kontrolle habe und mit einer Truppenreduzierung kein Risiko eingehe.
Syrien hat auf der Grundlage eines Beistandspakts noch rund 18.000 - von ursprünglich über 30.000 - Soldaten im Libanon stationiert. Die libanesische Armeeführung hatte am Vortag angekündigt, der Teilabzug erfolge auf Anweisung der beiden Staatspräsidenten Bashar Assad und Emile Lahoud.
Indem Syrien Truppen aus christlichen Gebieten abziehe, zeige es der libanesischen Opposition, dass es ungeachtet des erwarteten Irak-Krieges die volle Kontrolle besitze und auch Zugeständnisse machen könne, analysierten westliche Diplomaten in Beirut den Vorgang. Auch die betont Syrien-kritische Beiruter Tageszeitung "An Nahar" lieferte am Mittwoch eine gleich lautende Interpretation. Der prominente christliche libanesische Oppositionsabgeordnete Boutros Harb, ein scharfer Gegner der syrischen Präsenz im Land, würdigte den Teilabzug als "positiven Schritt", der die Souveränität des Libanon stärke.
Die Gestaltung der Beziehungen zu Syrien, das seit dem Bürgerkrieg 1975-90 als Schutzmacht im Libanon militärisch präsent ist, war im demokratisch gewählten Parlament in Beirut wiederholt Gegenstand heftiger Debatten. Zwischen Syrien und dem Libanon besteht seit 1991 ein Beistandspakt, der politische Konsultationen in allen wichtigen Fragen vorsieht. Seit dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon im Mai 2000 hatte Syrien sein Truppenkontigent erheblich reduziert.
Staatspräsident Emile Lahoud hat die Libanon-Politik Syriens als "Faktor der Stabilität" charakterisiert. Lahoud, der auch amtierender Vorsitzender der Arabischen Liga ist, warnte die USA vor einem Militärschlag gegen den Irak, da "die arabischen Völker ihn nie akzeptieren würden". Israelische Medien hatten unter Berufung auf israelische Geheimdienstkreise Syrien beschuldigt, ungeachtet der Zusage, mit den USA im globalen Antiterrorkampf zu kooperieren, bis zu 200 Al-Kaida-Terroristen in den südlichen Libanon geschleust zu haben. Die Libanon-Zentrale der syrischen Geheimdienste ("Moukhabarat") befindet sich in Anjar in der Bekaa-Ebene.
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