Montag, 17. Februar 2003

21 Tote bei Massenpanik in Chicagoer Disco

  • Nutzung der "Todesfalle zweiter Stock" war behördlich verboten
  • Nur ein Ausgang, baubehördliche Übertretungen

Der Nachtklub "Epitome", bei dem im Lauf einer Massenpanik unter 1.500 Gästen 21 Menschen zu Tode getrampelt oder erstickt wurden, hätte das obere Stockwerk gar nicht nutzen dürfen. Seit Monaten ist der Betrieb dort verboten, weil die Betreiber weder Baupläne übermittelt haben noch genügend Notausgänge zur Verfügung standen.

Andre Grant, ein Anwalt der Betreiberfirmen Lesly Motors Inc. und Le Mirage All Night Studio Inc. erklärte, das Verbot gelte nur für einen Teil des oberen Stockwerks, und dieser Teil sei auch nicht genutzt worden. Es liege daher keine Verfehlung seitens der Betreiber vor.

Fakt bleibt aber, dass Notausgänge durch Ketten gesichert oder mit Gegenständen verstellt waren - was bei Diskotheken häufiger vorkommt, um zu vermeiden, dass Gäste hereinkommen, ohne zu bezahlen. Über eine Anklage wird jetzt die Staatsanwaltschaft entscheiden.

Drama im Nachtklub fordert 21 Menschenleben
Schreckliches spielte sich am Montag Morgen in der Chicagoer Diskothek "Epitome" ab: Bei einer Massenpanik sind 21 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Polizei wurden die meisten Opfer im Stiegenhaus zu Tode getrampelt. Dutzende Menschen erlitten Verletzungen, einige von ihnen befanden sich nach Fernsehangaben in "kritischem Zustand". Die Szenerie ähnelte Augenzeugenberichten zufolge den Panik-Bildern auf der "Titanic".

Nach einem Bericht der Onlineausgabe der "Chicago Tribune" gab es gegen 2.00 Uhr früh (Ortszeit) einen Kampf zwischen drei Frauen im zweiten Geschoss der Disco. Sicherheitspersonal hätte daraufhin Pfefferspray gegen die streitenden Frauen eingesetzt. Daraufhin mussten sich einige Menschen Medienangaben zufolge übergeben. Panik brach unter den rund 1.500 Gästen aus, die an dem US-Feiertag Presidents' Day den Epitome-Club im Süden der Millionenmetropole besuchten. Die Disco soll für 1.000 Besucher zugelassen sein.

Schreckliche Szenen
Augenzeugen sagten, dass 30 bis 40 Menschen in ihrer Angst über eine schwangere Frau hinwegtrampelten. Ein Augenzeuge berichtete, wie sie die schwangere Frau herausbrachten. "Sie war in einem schlechten Zustand." Alle schrien und hätten sich gegenseitig aus dem Weg gestoßen. Viele Menschen rangen nach Luft. Sie fielen bei ihrer Flucht aufeinander, die nachdrängenden Massen überrannten sie.

Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Unglück bis zu zehn Menschen so schwer verletzt, dass sie in kritischem Zustand waren. Insgesamt 30 Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Unter ihnen waren zwei Feuerwehrleute.

Hinterausgang war geschlossen
Der Hinterausgang des Gebäudes war nach Medienberichten geschlossen und musste von der Feuerwehr aufgeschnitten werden. Nur eine Stiege führte in der Discothek vom zweiten ins erste Geschoss. Feuerwehrleute mussten gestürzte Menschen aus dem Stiegenhaus tragen. Augenzeugen zufolge konnten sich die Gäste teils nicht mehr bewegen und steckten fest. Nach Angaben des Feuerwehrsprechers Will Knight, versuchten Menschen in ihrer Panik durch die Vordertür zu fliehen und wurden überrannt.

"Jeder stieß um sich, Menschen schrien, konnten nicht atmen", erzählt Reggie Clark, der es trotzdem geschafft hat. Zwei Frauen sah er sterben, ein Mann unter ihm wurde ohnmächtig.

17.2.2003 14:31