Sonntag, 23. Februar 2003

Abschied von Marcel Prawy: 'Shalom, Friede sei mir dir'

  • Otto Schenk: 'Dass Du gestorben bist, ist eine Gemeinheit'
  • Spitzen der Politik und Kultur trauern um den Opernkenner

Marcel Prawy - die Oper war sein Leben. Zahlreiche Freunde, Wegbegleiter und Trauernde fanden sich im Anschluss an die Trauerfeier in der Staatsoper am Wiener Zentralfriedhof ein, wo Marcel Prawy in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt wurde. "Dass du zum Schluss doch noch gestorben bist, ist eigentlich eine unnatürliche Gemeinheit des Lebens", sagte Otto Schenk in seiner Grabesrede. Die Einsegnung nahm Kardinal Franz König vor. Seine abschiedsworte: "Shalom, der Friede sei mit dir."

Mit Klängen von Wagner, Korngold und Verdi erwiesen bei der Trauerfeier Kammersängerin Eliane Coelho, das Wiener Staatsopernorchester und der Chor der Wiener Staatsoper dem am 23. Februar Verstorbenen die letzte Ehre. Kunststaatssekretär Franz Morak, Prof. Werner Resel, Doyen der Wiener Staatsoper und Staatsoperndirektor Ioan Holender sprechen Worte des Gedenkens.

Wiener SP-Politiker trauern
Mit Prawy habe man nicht nur einen kompetenten Opernkenner und Musikliebhaber verloren, so Häupl. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny zum Tod des 91-Jährigen: "Marcel Prawy hat wie kein anderer die Musikstadt Wien repräsentiert."

Holender über Prawy
Als "leuchtendstes Symbol der Kunstgattung Oper" würdigte Staatsopern-Direktor Ioan Holender den Verstorbenen. "Mit dem Tod von Marcel Prawy ist definitiv das 20. Jahrhundert beendet", sagte Holender in einer ersten Reaktion nach dem Tod des Opernkenners. Prawy sei für ihn unersetzbar, betonte Holender: "Nach ihm kommt niemand nach. Prawy war der letzte Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts". Die Staatsoper werde ihre für 25. Mai geplante Premiere der Oper "Tristan und Isolde" von Richard Wagner Prawy widmen, kündigte Holender an.

Schüssel 'tief betroffen'
"Tief betroffen" zeigte sich auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Mit Prawy verliere Österreich "einen seiner größten Opernkenner und Opernliebhaber.

"Verpflichtung dich nicht zu vergessen"
Zahlreiche Freunde, Wegbegleiter und Trauernde fanden sich im Anschluss an die Trauerfeier in der Staatsoper am Wiener Zentralfriedhof ein, wo Marcel Prawy in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt wurde. "Dass du zum Schluss doch noch gestorben bist, ist eigentlich eine unnatürliche Gemeinheit des Lebens", sagte Otto Schenk in seiner Grabesrede. Die Einsegnung nahm Kardinal Franz König vor, der sich mit "Shalom, der Friede sei mit dir" von Prawy verabschiedete. Dessen Tod erfülle viele Menschen mit Schmerz, die am Grab Versammelten wollten zum Ausdruck bringen, "dass wir die Trauer um den lieben Verstorbenen gemeinsam tragen".

"Ich glaube nicht daran, dass du weg bist", sagte Schenk. Er habe "einen Prawy-Computer" in sich gespeichert, dem er in Zukunft die "Tausenden Fragen" stellen werde, die er bis zu dessen Tod an Prawy richten konnte. "Dich nicht zu vergessen ist eine Verpflichtung", mit "allen deinen Details, deinem Humor und deiner Liebe."

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) gab seiner Trauer um den "größten Opernkenner und Musikliebhaber unserer Zeit" mit den Worten Ausdruck, dass "Marcel Prawy für Wiens Kulturleben unverzichtbar" ist. "Ich weiß nicht, wie wir in Zukunft ohne ihn weitermachen sollen", so Mailath-Pokorny, der Prawy liebevoll "Marcello" nannte. Prawy habe "die Demokratisierung der Oper - wenn es denn so etwas gibt - erreicht" und die Gattung von "vielleicht noch vorhandenem elitären Staub befreit". Die Stadt Wien habe "einen der letzten Wünsche Prawys erfüllen können" und ihn im Kreise seiner geliebten Sänger und Sängerinnen begraben.

Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper
Prawy war Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper und der Wiener Volksoper, Präsident der Internationalen Richard-Strauss-Gesellschaft, Autor und Präsentator großer Sendungen im Fernsehen und Rundfunk in Österreich, Deutschland, Frankreich, England und den USA. Er war Träger höchster Auszeichnungen, so etwa des "Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich".

23.2.2003 19:12