Mittwoch, 19. Februar 2003

Nach 3fach-Mord in Wien: Schütze richtete sich selbst

  • Hinrichtung auf offener Straße in Favoriten: Motiv war Eifersucht
  • Die BILDER vom Tatort in Wien-Favoriten (Kasten rechts)

Die Hintergründe des Blutbades am Mittwoch in Wien-Favoriten sind weitgehend geklärt: Zivan P. (48) dürfte aus Eifersucht seine ehemalige Geliebte, Nusreta Z., ihren Sohn und den neuen Freund mit einer Maschinenpistole getötet haben. Danach richtete er sich selbst mit einem Schuss in den Kopf. Ein Feuergefecht zwischen dem Täter und seinen Opfern hat es definitiv nicht gegeben "Es war eindeutig ein Dreifachmord mit anschließendem Selbstmord", sagte Dr. Ernst Geiger, Direktor der Kriminaldirektion 1 (KD), am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Ein Zeuge hatte von einem Schusswechsel berichtet, doch dürften diese Angaben nicht richtig gewesen sein. Vielmehr war es dem 18-jährigen Sohn Dejan Z. gelungen, aus dem Auto zu entkommen, auf das der Täter ganze Salven gefeuert hat. Der Bursche dürfte noch versucht haben, P. die Waffe zu entreißen, bevor er von dem 40-Jährigen niedergestreckt wurde. Bei der Obduktion wurden acht Kugeln im Körper des Handelsschülers gefunden.

Beziehungsende vor einem drei Viertel Jahr
Nusreta Z. hatte sich etwa vor einem drei Viertel Jahr nach einer siebenjährigen Beziehung von ihrem späteren Mörder getrennt. Die 40-Jährige war seitdem mit ihrem neuen Freund, dem deutschen Staatsbürger Michael H., liiert gewesen. Der Mann arbeitete bei einer Baufirma in Wien. Der Sohn stammte aus einer aufrechten Ehe mit einem Bosnier.

Mehrere Drohungen
P. dürfte über die Trennung nicht hinweggekommen sein. "Er hat versucht, sie zurückzuerobern", erklärte Geiger. Dabei hat er die Frau und ihren neuen Lebensgefährten auch mehrmals bedroht - zuletzt am 13. Februar. "Er hat den Freund zur Rede gestellt", so der Direktor der KD. Nach einem heftigen Wortwechsel verließ P. die Wohnung in der Puchsbaumgasse 40. "Er hat dann die Nacht vor dem Haus verbracht", sagte Geiger.

Sohn hatte sich schon große Sorgen gemacht
Nicht zuletzt wegen dieses Vorfalls machte sich der Sohn von Nusreta Z. große Sorgen um seine Mutter. "Wann immer es ging, holte er sie von ihrer Arbeitsstelle in einem Gastronomiebetrieb in Favoriten ab", erklärte Geiger. Die Polizei wurde allerdings nie eingeschaltet.

Selbstmord
Am Tag des Blutbades wollten sie gerade zu dem Lokal aufbrechen. P. stürmte auf das ausparkende Auto zu, feuerte zuerst mit der Maschinenpistole auf den Freund, dann starben Nusreta Z. und ihr Sohn im Kugelhagel. Danach setzte P. seinem Leben mit einem Schuss in die rechte Schläfe ein Ende. Im Körper des Täters wurden bei der Obduktion keine weiteren Schussverletzungen festgestellt.

Kein Abschiedsbrief
Die Waffen dürften schon länger illegal im Besitz von P. gewesen sein. "Die Pistole hat er seit zehn Jahren in seiner Wohnung versteckt gehabt", sagte der Direktor der KD 1. Wie lange und woher er die Maschinenpistole hatte, war indes weiter unbekannt. Bei einer Hausdurchsuchung wurden keine weiteren Waffen sichergestellt.

Auch Abschiedsbrief wurde keiner entdeckt. "Wir haben nur einen Zettel mit den Telefonnummern von drei seiner engsten Angehörigen gefunden", sagte Geiger.

19.2.2003 15:38