Dienstag, 18. Februar 2003

Von Den Haag gesuchter Kosovare nach Wien geflohen

  • Fatmir Limaj soll sich aber bereits Interpol gestellt haben

Ein vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagter Kosovo-Albaner ist Belgrader Medienberichten zufolge nach Wien geflüchtet. Fatmir Limaj, ein Spitzenpolitiker der Demokratischen Partei des Kosovo (PDK), soll in Begleitung des ehemaligen albanischen Rebellenführers Hashim Thaci bereits am Freitag mit einem Linienflug die von der UNO verwaltete südserbische Provinz verlassen haben, berichtet der Fernsehsender BKTV. Limai hätte gemeinsam mit drei anderen ehemaligen Rebellen verhaftet und an das Haager Tribunal ausgeliefert wreden sollen.

Limaj soll sich in Wien Interpol gestellt haben, berichtete das serbische öffentlich-rechtliche Fernsehen RTS am Dienstagabend unter Berufung auf albanische Quellen. Ein Sprecher des Innenministeriums konnte diese Meldung auf Anfrage der APA zunächst nicht bestätigen.

Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla Del Ponte, hatte am Dienstag in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica heftige Kritik an der Kosovo-Friedenstruppe KFOR geübt. Es sei "unverständlich", dass ein so prominenter Angeklagter wie Limaj auf solch einfache Weise - wie ein gewöhnlicher Reisender per Linienflug - das Kosovo verlassen könne und das zwei Wochen, nachdem die KFOR die Anklage und den Haftbefehl gegen ihn erhalten habe, sagte Del Ponte serbischen Medienberichten zufolge.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Dem 32-jährigen früheren Kommandanten der Kosovo-Befreiungsarmee UCK Limaj werden in der Anklage des UNO-Tribunals vom 24. Jänner 2003 Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Kriegsrecht vorgeworfen. Limaj soll während des Kosovo-Konflikts im Sommer 1998 ein Gefangenenlager in Glogovac betrieben haben, in dem zumindest 35 albanische und serbische Zivilisten widerrechtlich interniert, unter unmenschlichen Bedingungen gehalten und gefoltert worden seien.

Außerdem wird Limaj und seinen drei Mitangeklagten, den Lagerwärtern Haradin Bala, Isak Musliu und Agim Murtezi, die Ermordung von insgesamt 22 albanischen und serbischen Häftlingen zur Last gelegt. Bala, Musliu und Murtezi wurden am Dienstag an das UNO-Tribunal überstellt.

"Private Verpflichtungen"
Albanische Quellen haben gegenüber der Belgrader Nachrichtenagentur Beta bestätigt, dass Limai nicht mehr im Kosovo sei. Er sei am 14. Februar gemeinsam mit Thaci nach Wien geflogen. Laut diesen Angaben ist Limai wegen "privater und Partei-Verpflichtungen" in Österreich. Zudem habe er "Bedauern" geäußert, dass er zu jener Zeit nicht im Kosovo gewesen sei, als die Verhaftungen mutmaßlicher Kriegsverbrecher durchgeführt wurden.

18.2.2003 19:25